BSW-Gruppe "Traditionspflege Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder)"

Ein Rückblick nach fast 15 Jahren

Zum besseren Verständnis ein kleiner Rückblick bis in die Vorwendezeit.

Bei den Eisenbahnern in Frankfurt (Oder) bestand in den siebziger Jahren der Wunsch eine Dampflok als technisches Denkmal aufzustellen und so an die Dampflokzeit zu erinnern. 1978 war es so weit. Auf dem vom Stadtarchitekten vorgeschriebenen Standort, vor dem Kulturhaus Völkerfreundschaft, wurde die Lok 64 317 aufgestellt. Glasvitrinen informierten ausführlich über die Dampflok.
Die Pflege übernahm das Bahnbetriebswerk.

Sie wurde zu einem beliebten Fotoobjekt der Region.

Eine Delegation aus Orscha

Eine Delegation aus Orscha

In den neunziger Jahren wurde das Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) geschlossen, das Kulturhaus Völkerfreundschaft sollte vermarktet werden.
In einer letzten großen Gemeinschaftsaktion der Frankfurter Eisenbahner wurde die Lok im Oktober 1995 zum Personenbahnhof umgesetzt. Sie fand ihren Platz am Hausbahnsteig des Bahnhofs. Zuständig war jetzt der Geschäftsbereich Personenbahnhöfe. An eine regelmäßige Wartung war nicht mehr zu denken. Die Lok wurde langsam unansehlich und für den Öffentlichkeitsbereich nicht mehr tragbar.
Frankfurter Eisenbahner im Ruhestand, Lokführer, Stellwerkspersonale, Techniker und Verwaltungspersonal, schlossen sich zusammen um die Pflege der Lok zu übernehmen. Im Oktober 2003 wurde die BSW-Gruppe gebildet und und im August 2004 eine Vereinbarung über die Pflege abgeschlossen.
Im September 2004 erfolgte der erste Einsatz.

Nicht nur die Lok, auch das Umfeld bedarf der Pflege

Das Motto unserer Truppe lautet ja Traditionspflege des Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder). Aus diesem Grund krochen wir durch Keller und über Böden des Rba und der übrigen Dienststellen. Alle noch vorhandenen Unterlagen trugen wir zusammen und erstellten so ein Archiv über die siebziger und achziger Jahre. Dank der Unterstützung vom BSW und dem Bereich Personenbahnhöfe hatten wir räumlich auch die Möglichkeit ein Archiv aufzubauen. Anfragen in heutiger Zeit zeigt uns, das unsere Arbeit nicht umsonst war.

Teilansicht des Archivs

Paralell zu unserer Aktensammlung waren wir auf Jagd nach erhaltenswerten Gegenständen für die Nachwelt. Die Eisenbahn befand sich im Umbruch. Allein in Frankfurt wurden 10 Stellwerke rückgebaut. Wir nahmen Kontakt zur Verwertungsstelle Wupperthal auf und konnten so für uns wichtige Sicherungstechnik erwerben.

Stolz präsentieren wir der Presse ein "Beutestück"

Wir bauen einen Bahnhof

Nachdem nun die Zeit der Jäger und Sammler vorbei war, kam die Frage, wie nun weiter. Es wurde beschlossen, wir bauen einen Bahnhof. Wir hatten zwei Räume, cirka 400 Meter auseinander, diese Räume sollten Stellwerke werden. 1000 Meter Kabel und mehr wurden besorgt. Diese wurden verlegt und beide Räume so sicherungstechnisch miteinander verbunden. Wir hatten nun zwei Stellwerke, ein Gleis mit einer Lok, zwei Draisinen und zwei Rollwagen. Es wurde eine Mutteruhr besorgt und mit 5 Uhren hatten wir unser eigenes Uhrensystem. Es folgte ein Ob-Netz und mit einer Kleinbasa haben wir auch ein eigenes Basanetz. Alle Voraussetzungen für einen Bahnhof waren nun erfüllt. Im nächsten Schritt wurde die Sicherungstechnik aufgebaut. Heute können wir stolz sagen wir können die komplette Sicherungstechnik der Eisenbahn vom Schlüsselwerk über Elektromechanisch und Relaistechnik bis zum ESTW, alles betriebsfähig, vorführen. Dem nicht genug, ging es nun an die Außenanlagen. Es wurden Signale gestellt, Weichenmotor und Gleissperre besorgt. Diese sind an das Stellwerk angeschlossen und sind natürlich im Betrieb.

Unsere Signale mit Signalfernsprecher

Was nun!!!

Unsere Aktivitäten blieben der Umwelt nicht verborgen. Immer mehr Schulklassen und Kindergartengruppen meldeten sich bei uns und baten um eine Besichtigung.
Unser Ziel ist es die Kinder mit der Eisenbahn vertraut zu machen und wenn möglich auch für die Eisenbahn zu begeistern. Im Laufe der Zeit entwickelte sich gemeinsam mit der DB und der Bundespolizei ein Programm wo die Kinder nicht nur Technik zu sehen bekommen sondern auch mit den Geflogenheiten auf einem Bahnhof und den Gefahren der Eisenbahn vertraut gemacht werden.

Nach einer Begegnung mit Frau Crecelius von DB Konzernsicherheit, erweiterten wir unser Angebot. Wir besorgten uns ein Beamer und Filmmaterial. Das Thema Prävention rückte mehr in den Mittelpunkt. Gemeinsam, unter unserer Führung, mit DB Cargo, Regio, Netz, Bundespolizei usw. organisieren wir die Veranstaltungen, z.B. Netz gibt ein Gleis frei, Cargo stellt eine Lok, Regio übernimmt eine Führung usw.. Jede Veranstaltung ein Unikat.

Die Veranstaltungen sind für die Kinder hochinteressant. Von den Erziehern kommt regelmäßig die Aussage das wir mit viel Liebe die Veranstaltungen organisieren.

Im Jahr 2017 werden wir schon ordentlich beansprucht, bis Ende Mai waren schon über 100 Kinder bei uns zu Gast. Das Einzugsgebiet vergrößert sich, wir bekommen auch Besuche aus den umliegenden Orten.


 

Unser Homepage

Mit dem Bilden der BSW-Gruppe wollten wir diese auch im Internet präsentieren. Angedacht waren eins, zwei Seiten wo wir uns vorstellen und unser Angebot präsentieren, mehr nicht!!.

Es kam ganz anders. Dem Motto folgend Traditionspflege Eisenbahnknoten Frankfurt (Oder) trugen wir alles zusammen was über den Eisenbahnknoten aufzutreiben war. Wir merkten sehr schnell, das wir uns beeilen müssen. Viele Kollegen verließen uns, verstarben,das Wissen ging rapide schnell verloren. Über das was wir zusammen getragen haben staunen wir manchmal selbst. Wir sind über das Ergebnis ein bißchen Stolz. Die Homepage ist zur Zeit 2,5 GB groß. Das gesamte Rba ist aufgearbeitet. Alle Fachbereiche haben ihren eigenen Beitrag. Auf Wikipedia und anderen Fachbeiträgen wird gern auf unsere Homepage zurückgegriffen. Was will man mehr. Wir hatten viel Arbeit aber auch viel Freude dabei.

Bahnhofsfeste

Zum 150jährigen Bestehen der Eisenbahn auf der Strecke Berlin - Frankfurt organisiere die Eisenbahn 1992 ein Bahnhofsfest. Die Veranstaltung war fantastisch. Dann kehrte Ruhe ein. Erst 2002 bildete sich eine Gemeinschaft von Händler des Bahnhofs und der DB Bereich Personenbahnhöfe welche wieder ein Bahnhofsfest organisierten. Geld dazu kam aus einen gemeinsamen Topf aller Beteiligten. Wir als BSW-Gruppe beteiligten uns. Das ging bis 2006, dann löste sich die Truppe auf. Es war kein Geld mehr vorhanden, die Veranstaltung sollte abgesagt werden. Wir als BSW-Gruppe überlegten lange und entschlossen uns die Veranstaltung eigenständig zu organisieren. Seit dieser Zeit sind wir, eine Truppe Rentner weit über 70, Veranstalter.
Beschränkte sich die Veranstaltung zuerst nur auf dem Gleisbereich mit Eisenbahntechnik so konnten wir das Programm immer mehr ausbauen. Im letzten Jahr, dank der Finanzspritze aus Frankfurt/Main und Personenbahnhöfe, konnten wir einen Sonderzug nach Polen fahren und hatten in der Bahnhofshalle ein buntes Kulturprogramm mit polnischer Beteiligung. Auf dem Bahnhofsfvorplatz wurde ein Kinderprogramm und Straßentechnik geboten.

Gruppenbild vom Bahnhofsfest, Netz, Cargo, Regio usw. alle sind dabei

Bahnhofsfest 2017

175 Jahre Eisenbahn in diesem Jahr in Frankfurt. Wir werden uns bemühen etwas ordentliches auf die Beine zu stellen. Von der DB und dem NEB ist Unterstützung zugesagt. Gern hätten wir den Dampfzug aus Cottbus gehabt, ist aber finanziel nicht zu stemmen. BSW-Gruppen sind eingeladen sich mit einer Ausstellung an der Veranstaltung zu beteiligen. Für die Frankfurter Modelleisenbahner konnten wir einen Raum akquirieren, die Ausstellung ist also gewährleistet.

In der Bahnhofshalle werden wir Kultur bieten. Die ersten deutschen Gruppen konnten gewonnen werden. Mit den polnischen Teilnehmern fehlt noch die konkrete Zusage. Angedacht sind drei Gruppen, so das wir alle 40 Minuten einen neuen Programmpunkt bieten können.

Gleichzeitig mit dem Eisenbahnjubiläum hat die Stadt Frankfurt zwei Jubiläen zu begehen, das Staatsorchester und das Stadttheater sind ebendfalls 175 Jahre in der Stadt vertreten. Es fand eine Treffen mit den verantwortlichen Vertretern der Stadt statt. Etwas konkretes kam nicht zustande. Man hatte keinen Plan und kein Geld. Nach jetzigen Wissensstand sind wir allein bei den Vorbereitungen.

Kultur

Waren wir in den ersten Jahren intensiv mit Aufgaben eingedeckt, können wir jetzt es etwas ruhiger angehen. Wir haben die Kultur entdeckt. Geburtstage und Weihnachten wird gefeiert. Wir gehen bowlen und ins Kabarett. Gemeinsame Fahrten werden unternommen. Immer eingebunden die Ehepartner.
Wir sind bemüht unser Süppchen nicht allein zu kochen. Bei allen Veranstaltungen werden angesprochen und eingebunden die BSW-Ortgruppen und EVG-Mitglieder. Ohne diese Mitarbeit von außen wären unsere Vorhaben gar nicht mehr zu stemmen. Wenn man sich das Gruppenbild vom letzten Ausflug ansieht, kann man erkennen es ist eine ganz schöne Truppe die sich mit uns verbunden fühlt.

 

Wie soll es weiter gehen

Vordringlich ist es für uns Nachwuchs zu aquirieren. Es sieht dabei gar nicht so schlecht aus. Wir haben in den nächsten 2, 3 Jahren wieder neue Pensionäre zu erwarten, wo wir von aus gehen das einige bei uns einsteigen. Der Bestand der Gruppe müßte gesichert sein.
Die Geldfrage wird über das Schicksal der Gruppe wohl entscheiden. Sollte tatsächlich sich die Bahn finanziel nicht mehr an den laufenden Kosten beteiligen, wäre dies das Ende der Gruppe.

 

 

 

Detlef Malzahn

 

 

 

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