Bahnmeisterei (Bm) Frankfurt (Oder)

Zu Zeiten der Rbd Osten existierten in Frankfurt fünf Bahnmeistereien, nach 1945 wurden nur zwei wieder eingerichtet. Eine auf dem Personenbahnhof und die andere auf dem Verschiebebahnhof. Durch die umfangreichen Zerstörungen der Gleisanlagen infolge Kriegseinwirkungen waren die Aufgaben für die Bahnunterhaltung zur Herstellung des alten Zustandes gewaltig. Große Teile des Personenbahnhofes waren im Mai 1945 auf Breitspur umgerüstet und mussten auf Normalspur rückgebaut werden.
Auf dem Verschiebebahnhof waren Gleise demontiert und in Richtung Osten abgefahren worden. Für einen Flugplatz in Frontnähe wurden durch die Wehrmacht im Stellwerksbezirk Fgl die Gleise entfernt, die Fläche mit Schlacke aufgefüllt sowie der Wasserturm und die Stellwerke Fgm und Fgl gesprengt. Die vorhandenen Gleisanlagen bestanden überwiegend aus Schienen der Bauform 6, 8 und 15, in den durchgehenden Hauptgleisen meist S 49 mit Oberbau K 49 auf Holz- oder Stahlschwellen. Bei den Weichen überwog die Länderform 6 und 8 mit Drehstuhl und Nebenverschluss, in den durchgehenden Hauptgleisen jedoch mit Weichen der Form 49 und Klammerspitzenverschluss ebenfalls auf Holz- bzw. Stahlschwellen. Anfang der fünfziger Jahre gehörten zu den beiden Meistereien etwa 120 Arbeitskräfte. Bei der Neustrukturierung im Jahre 1955 wurden sie mit der Bahnmeisterei Fürstenberg (Eisenhüttenstadt) zur Bahnmeisterei Frankfurt (Oder) vereinigt und hatten nun 160 Buas »an der Hacke«. Selbst Frauen durften zu dieser Zeit noch für leichte Arbeiten im Gleisbau eingesetzt werden. Die Verwaltung der Bm befand sich im »Bm-Gebäude« an der Finkenheerder Straße. Zum Unterhaltungsbezirk gehörten der Personenbahnhof, der Verschiebebahnhof und die Streckenabschnitte bis Booßen (einschließlich), Güterzugstrecke Rosengarten – Vbf, Richtung Berlin ab Einfahrsignal Pbf, Richtung Grunow bis Einfahrsignal Bahnhof Müllrose einschließlich Gleisanschluss Halbleiterwerk, Richtung Guben bis einschließlich Brücke über den alten Oder-Spree-Kanal bei Eisenhüttenstadt (km 107,4) sowie in Richtung Polen bis einschließlich Oderbrücke.

Die Zunahme des Außenhandels der DDR mit der Sowjetunion, der Volksrepublik Polen und mit anderen Ländern des RGW und der damit verbundenen Ex- und Importe über die Magistrale Berlin-Poznan-Warszawa-Brest machte den Bau eines Grenzbahnhofs erforderlich. Die Bauarbeiten begannen 1950. Unmittelbar westlich der Oderbrücke wurde der bis zu 14 Meter hohe zweigleisige Bahndamm für die Aufnahme von je drei Übergabe- und Übernahmegleisen verbreitert. Dazu wurden rund 550 000 m³ Erdmassen, darunter 250 000 m³ Schutt aus dem zerstörten Zentrum der Oderstadt, verbaut. Mit einfachen Anlagen ausgestattet, ging der gemeinsame Übergabebahnhof »Oderbrücke« (Odk) der DR und der PKP für den Transit- und Nachbarschaftsverkehr mit getrennter Grenz- und Zollkontrolle am 23. Mai 1954 in Betrieb.
Für den Aufbau der Gleisanlagen waren die Gleisbaufirmen Meermann, Schallhorn und Lemm aus Frankfurt (Oder) und die Firma Heutling aus Oderberg eine große Hilfe. Besonders gute Leistungen in den ersten schweren Jahren nach 1945 haben die Mitarbeiter der Bahnmeisterei Wilhelm Bensch, Fritz Peschke, Wilhelm Alter, Max Just, Herman Pietack und Paul König sowie die Streckenmeister Manfred Conrad, Siegbert Kemmel, Hans Müller und Heinz Schramm vollbracht.
Besonders in den Wintermonaten für den Schneeeinsatz in den Gleisanlagen war die DR auf viele zusätzlichen Helfer angewiesen. Zu den Einsatzkräften bei der Bm Fko arbeitenden Oberbaufirmen kamen mit Hilfe und Unterstützung des Rates der Stadt Frankfurt (Oder) Einsatzkräfte aus dem Halbleiterwerk, dem Wohnungsbaukombinat und vielen anderen Betrieben aus Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt.
In schneereichen Jahren, wo beispielsweise die Strecke von Frankfurt nach Eberswalde zwischen den Bahnhöfen Booßen und Schönfließ drei Tage zugeschneit war, kamen zusätzlich Polizei- und Armeekräfte zum Einsatz. Im Durchschnitt hatte die Bm Frankfurt rund 300 Schneeräumkräfte in 24 Std (drei Schichten) im Einsatz. Erst nach dem Einbau von Dampfweichenheizungen mit Dampfspender (2 Lokomotiven auf dem Vbf und eine auf dem Pbf) ab 1971 ging die Anzahl der zusätzlichen Einsatzkräfte zurück. Ab 1973 wurde mit dem Einbau elektrischer Weichenheizungen begonnen.

Die schwere Arbeit und die zunehmende Industrialisierung in der Region (das Eisenhüttenkombinat Ost und das Halbleiterwerk in Frankfurt entstanden) führten zu einer Fluktuation von Arbeitskräften.
1981 hatte die Bm Fko, zuständig für 225 Kilometer Gleis und 658 Weicheneinheiten, nur noch 30 Mitarbeiter in Frankfurt (Oder) »an der Hacke«. Moderne Technik stand zu dieser Zeit nur im geringen Umfang zur Verfügung und wurde durch die Verwaltung Bahnanlagen der Rbd Berlin für die jeweiligen Aufgaben zugeteilt: vier Weichenbaukräne, eine Weichenstopfmaschine, vier Gleisstopfmaschinen sowie Gleisrichtmaschinen, Schwellenfeldverdichter, Bettungsreinigungsmaschinen, Vorkopfreiniger, Grabenprofilmaschinen und Planierraupen.
Nach mehreren Strukturveränderungen firmiert die ehemalige Bahnmeisterei im Jahre 2000 als »Geschäftsbereich Netz, Niederlassung Ost, Betriebsstandort Cottbus, Durchführungsbereich Frankfurt (Oder), Abteilung Fahrbahn«. Solche ausufernden Firmierungen kommentieren sich selbst.

Weitere Fotos: Fot, Odk, Fgw-Booßen a+b, Booßen, Streckenmeister

 

Frankfurter und angrenzende Bahnmeistereien nach dem Bahnhofsverzeichnis 1944

Bahnmeisterei Nummer Lochkartennummer Direktionsbezirk
Frankfurt (Oder)
1
75006
Osten
Frankfurt (Oder)
2
75002
Osten
Frankfurt (Oder)
3
75005
Osten
Frankfurt (Oder)
4
75003
Osten
Frankfurt (Oder)
5
75004
Osten
Küstrin Alststadt
.
75064
Osten
Seelow
.
78009
Stettin
Fürstenwalde Spree
48
53057
Berlin
Müllrose
 
75009
Osten
Fürstenberg (Oder)
 
75007
Osten
Sternberg (Neumark)
 
75125
Osten

 

Leiter der Bm Frankfurt (Oder) waren:

Maihold 1945, Friedrich Dieckmann 1946, Wolfgang Pohland 01.04.1953 - 31.12.1957, Richard Loichen 01.01.1958 - 15.08.1960, Wolfgang Pohland 01.01.1961 - 31.05.1973, Heinz Dingelstedt 1973, Harald Röhr 1973, Jürgen Grünwald 1974 - 1975, Bernhard Brix 1975 - 1978, Wolfgang Pohland 1978 - 05.1982, Peter Dingelstedt 07.1985 - 31.12.1993

Lothar Meyer/Wolfgang Pohland

 

 

 

 

 

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