Vorgeschichte zum Bahnbau

Die erste Erwähnung zum Bau einer Eisenbahn geht bis in das Jahr 1838 zurück. Im Juni 1843 stellte der Geheime Oberbaurat Dr. Crelle einen Entwurf zur Errichtung einer Eisenbahn von Frankfurt (Oder) nach Breslau vor. Crelle sah das die Bahnstrecke Berlin - Frankfurt(Oder) nur durch ihre Weiterführung nach Schlesien eine größere Bedeutung erlangen konnte. Er schlug eine Streckenführung vor, die bei Berkenbrück oder Briesen von der Berlin - Frankfurter Eisenbahn abzweigen sollte, und wegen der günstigen Bodenverhältnisse über Müllrose nach Schlesien führte. Die Stadt Frankfurt (Oder) selbst ließ nichts unversucht, die Entschlüsse der Bahngesellschaft zu seinen Gunsten zu beeinflussen, zumal vor den Toren der Stadt Frankfurt (Oder) in dieser Zeit bereits schon die Vermessungen für die heutige Linienführung stattfanden.

Im Januar 1840 legte der Hofagent Friedrich Wilhelm Stein aus Berlin einen Entwurf zum Bau der Eisenbahnstrecke vor.
Wegen des schwierigen Geländes am Oderabhang sollte die anfangs über Frankfurt(Oder) geplante Bahn über Müllrose geführt werden und Frankfurt (Oder) nur mit einer Zweigstrecke verbunden werden.

Zur Jahreswende 1841/1842 gründete sich zum Bau einer Eisenbahn nach Breslau die Niederschlesisch - Märkische Eisenbahn.
Um die Strecke in die Stadt Müllrose zu bekommen, stellte die Stadt der Eisenbahngesellschaft 40 Morgen Land kostenlos zur Verfügung.
Diese entschied sich aber dann die Strecke ab Frankfurt (Oder) zu bauen, infolgedessen fährt man heute nicht über Müllrose, sondern über Frankfurt (Oder) nach Breslau.

Am 01. August 1845 übernahm die Niederschlesisch - Märkische Eisenbahn die Strecke Berlin – Frankfurt (Oder). Mit der Übernahme hörte die erst wenige Jahre alte Berlin - Frankfurter Eisenbahngesellschaft auf zu existieren. Unmittelbar nach der Fertigstellung der Chaussee Frankfurt (Oder) -  Leipzig trat man mit einem neuen Eisenbahnprojekt an die Öffentlichkeit. Die neu zu bauende Strecke sollte genau wie die Straße beide Städte miteinander verbinden.
Man sprach von einem Unternehmen ersten Ranges, das sich zu internationaler Bedeutung auswachsen sollte, denn über Frankfurt(Oder) hinaus wollte man Anschluss an die Bahnen im Osten, und somit eine Verbindung mit Posen und Russland gewinnen. Man war sogar soweit, das der geheime Regierungsbaurat STEIN (Erbauer der Ostbahn) erschien, um eine Besichtigung des Geländes vorzunehmen.
Dieselbe verlief durchaus verheißungsvoll.
Hiernach bewilligte die Stadt Müllrose 250 Taler Zuschuss zu den Kosten, die aus den Vorarbeiten erwuchsen. Noch bevor der Bahnbau begann, wurden erste Erhebungen zum Güterverkehr erstellt.
So glaubte die Stadt Müllrose, mit folgendem Umsatz rechnen zu können:

...7.000 Zentner Eier, Butter, Milch und Obst
*  600 000 Zentner Brennholz
*...43.200.Zentner Braunkohlen  
.60 000 Zentner Getreide zum Vermahlen
.57 000 Zentner Mehl und Kleie zum Versand
*  150 000 Zentner Nutzholz (Dampfschneidemühle)
*  100 000 Zentner Mauersteine
.90 000 Zentner Kalk

Die umliegenden Ortschaften Kupferhammer, Schlaubehammer, Weißenspring und Kaisermühl gaben ebenfalls ihre zum Versand und Empfang vorgesehen Güter an. Der Besitzer der Streichgarnfabrik Kupferhammer wollte 10 000 Taler geben, falls der Bahnhof östlich des Großen Müllroser Sees angelegt werden würde. Solche Zahlen ließen sich hören, aber zu sehen bekam man in Müllrose von dem Bahnbau zunächst allerdings noch nichts. Es war im Jahr 1868, da sollte ein Schienenstrang von Luckenwalde über Zossen, Mittenwalde, Königs Wusterhausen nach Fürstenwalde (Spree) und von dort aus weiter nach Küstrin gezogen werden.
Diesen Vorschlag lehnte das Handelsministerium jedoch ab, und empfahl hingegen den Bau der Strecke Luckenwalde - Frankfurt (Oder) mit der Linienführung Beeskow - Müllrose.
Einige Zeit später wurde die Linienführung abgesteckt, und schon erklärten sich die ersten Interessenten zur Übernahme von Aktien bereit.
Unerwartet kam dann jedoch die Ablehnung des Planes durch den Minister VON ITZENPLITZ.

Die Herstellung des Anschlusses an die Märkisch - Posener Bahn bei Frankfurt (Oder) sei wegen des steigenden Geländes zu schwierig, lautete seine Begründung. Natürlich unterblieb nun auch die Einzahlung des Gründungskapitals, und damit war der Traum dieser Bahnlinie ausgeträumt.

1870 plante die Pferdeeisenbahn Cottbus - Schwielochsee  - Gesellschaft den Bau der Strecke Friedland - Beeskow - Müllrose - Frankfurt(Oder) als Lokomotivbahn. Die erbetenen 300 Taler für die Vorarbeiten wurden jedoch vom entmutigten Magistrat abgelehnt.

Skizze Berlin - Breslau

Bald darauf übernahm die Cottbus - Großenhainer Eisenbahngesellschaft die Anteile der Pferdeeisenbahngesellschaft.
Die Cottbus - Großenhainer Eisenbahngesellschaft war schon seit 1872 mit den Vorarbeiten zum Bahnbau Frankfurt (Oder) - Cottbus - Großenhain beschäftigt, aber noch immer hoffte man auch auf den Bau der Strecke Frankfurt(Oder) - Leipzig.

Bei Müllrose sollten sich beide Strecken vereinigen. Die Stadt hatte also Aussicht, Eisenbahnknotenpunkt zu werden. Doch war es mit dieser Hoffnung endgültig vorbei, als die Strecke Guben - Cottbus - Finsterwalde - Eilenburg - Leipzig gebaut wurde.

Nach jahrelangem warten sollte Müllrose nun doch endlich Eisenbahnanschluss bekommen. Dies geschah mit dem Bau der heutigen Strecke Cottbus - Grunow/NL - Frankfurt(Oder).
Sie wurde nicht über Friedland - Beeskow, wie es anfänglich geplant war, sondern über Lieberose (Jamlitz) - Grunow/NL nach Müllrose und Frankfurt(Oder) geführt.

Die Strecke hatte eine Länge von 72.89 km.                             

Bei einer Aktionärsversammlung am 05. November 1873 wurde zum Bau der Strecke eine Anleihe über 3 Millionen Mark aufgenommen.

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