Eröffnung der Strecke

Die Landes - und Bahnpolizeiliche Abnahme der Strecke erfolgte mit der Abnahmefahrt am 22. Dezember 1876.
In dem Abnahmeprotokoll (Seite 1, Seite 2) war gegen die Betriebseröffnung am 31. Dezember 1876 nichts einzuwenden. Jedoch wurden vor der Eröffnung noch einige Auflagen erteilt. So wurde beanstandet, dass der Zufahrtsweg von der Stadt Müllrose zum Bahnhof noch nicht befestigt sei, und im Bahnhof Peitz die Erdanschüttung an der Laderampe fehle.

Die Strecke wurde am 01. Januar 1877 dem öffentlichen Verkehr übergeben. Da von Cottbus nach Dresden schon eine Bahnstrecke bestand, konnten die Züge gleich bis Dresden weiterfahren. Zunächst verkehrten in den Anfangsmonaten 1877 auf der hiesigen Bahnstrecke nur zwei gemischte Tageszüge.
Die Fertigstellung der Bahnhofstraße in Müllrose zog sich noch bis zum Frühjahr 1877 hin.

Die ersten Betriebsjahre

Nach der Eröffnung sehnten sich viele Gemeinden nach einer eigenen Haltestation an dieser Strecke. Eine der ersten war die Gemeinde Mixdorf. Der Bau der Station wurde aber auf Grund des zu erwartenden Verkehrs am 10. März 1877 abgelehnt.
Durch den Bau der Straße von Beeskow nach Fürstenberg gab man hier Grunow den Vorzug, weil die Straße bei Grunow die Strecke kreuzte. Der Ort Grunow selbst bemühte sich schon seit 1875 um eine Haltestelle an der neu zu bauenden Bahnlinie.
Seit dem 14. Dezember 1875 lag die Landespolizeiliche Genehmigung zum Bau der Haltestelle Grunow vor.

Fahrplan des ersten Tageszuges Frankfurt(Oder) - Dresden
gültig ab 15. Mai 1880

Frankfurt(Oder) ab 04:15 Uhr
Müllrose ab 04:35 Uhr
Grunow ab 04:50 Uhr
Peitz ab 05:31 Uhr
Dresden an 08:55 Uhr

Die Fahrpreise betrugen in der 2.Klasse 10 Mark, und in der 3.Klasse 6.50 Mark.

 

Versand und Empfang von Wagenladungen in Weichensdorf

im Jahre 1877:

Versand .967 Wagenladungen
Empfang 209 Wagenladungen

Versand und Empfang von Wagenladungen in Weichensdorf
im Jahre 1881:

Versand .3793 Wagenladungen
Empfang 2016 Wagenladungen

Am 29. April 1882 stellte die Stadt Beeskow Entfernungstafeln und Erhebungen der Einwohnerzahlen umliegender Ortschaften zwecks Anschlusses der Stadt an die bestehende Strecke in Grunow auf.

Mit dem 01. Mai 1882 ging die Strecke Frankfurt(Oder) - Cottbus an die Preußische Staatsbahn über. Sie wurde der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin unterstellt, und dem Betriebsamt
Berlin-Sommerfeld zugeteilt.

Der Erlass über die Einführung der Nebenbahn von Beeskow in die Station Grunow kam am 22. September 1887.
Bereits am 15. Mai 1888 wurde der 9.41 Kilometer lange Abschnitt nach Beeskow eröffnet. In einem Berichtsprotokoll der Eisenbahndirektion vom 18. Oktober 1882 sprach man sich daraufhin für die Umwandlung der Personenhaltestelle Grunow in eine Station aus.
Ein Jahr später, am 18. September 1883, stellte diesbezüglich der Landrat einen Antrag bei der Eisenbahngesellschaft.
Im Kostenvoranschlag für den Bau des Empfanggebäudes in Grunow vom 31. Januar 1888 war eine Summe von 24 300 Mark vorgesehen.
Im folgenden Jahr 1889 gab man in Grunow 50 000 Mark für Erweiterungsbauten aus. Der Wartesaal 2.Klasse und 3.Klasse wurde zu einem Wartesaal der 3.Klasse zusammengefasst.

Ebenfalls im Jahr 1889 erfolgte der Einbau einer Gleiswaage
für 5 200 Mark in das Gleis 7 der Ladestraße des Bahnhofs Müllrose.

1890 geht der neu gebaute Wasserturm des Bahnbetriebswerkes Frankfurt(Oder) Personenbahnhof in Betrieb.

Der vom 01. Mai 1892 gültige Fahrplan zeigt 5 Zugpaare je Richtung mit Anschluss in Grunow nach Beeskow.
Die Züge hatten Wagen der 1- 4.Klasse und brauchten für die Strecke Frankfurt(Oder) - Grunow zwischen 30 und 35 Minuten.
Der Fahrplan war unter der Nummer 63 im Kursbuch eingestellt.

Am 01. Juli 1892 waren in Frankfurt (Oder) 15 Dampflokomotiven der Baureihe P 2, P 3 und G 3 beheimatet.

In der Nacht vom 01. zum 02. Dezember 1892 verursachte vermutlich Funkenflug der Dampflok des Zuges 140 ein Feuer, worauf die Holzbrücke im Kilometer 134.7 zwischen Grunow und Müllrose abbrannte. Die Kosten für den Wiederaufbau am 10. Februar 1893 betrugen 5 000 Mark. Die genaue Ursache wie es zum Brand kam, konnte jedoch nie ermittelt werden.

Im Jahre 1894 bemühte sich nun auch der Ort Sandow bei Cottbus um die Anlegung einer Haltestelle für Personen - und Güterverkehr.
Wegen der Nähe zu Cottbus und einem zu geringem Verkehrsaufkommen, wurde der Antrag jedoch abgelehnt.
Die hohen Baukosten für den Haltepunkt schoben die Anträge der nächsten Jahre immer wieder hinaus. Dies war bis zum Jahr 1899
der Fall.

Aus einem Frankfurter Stadtplan von 1894 ist ersichtlich, dass einige Anschlussgleise vom  Bahnwärterposten „Tzschetzschnower Oberweg“ zu den Sandbergen, und von „Fauler See“ zum Gut Tzschetzschnow bestanden.

Auf der Station Lieberose erfolgte 1897 eine umfangreiche Gleiserweiterung. Die Erhöhung der Zugfahrten und der Wagenladungen brachte den Ausbau der Stationen entlang der gesamten Strecke mit sich.

In der Station Grunow erweiterte man für 67 000 Mark am
25. November 1897 die vorhandenen Gleisanlagen. Die vorhandene alte Sicherungstechnik in der Station wurde umgebaut oder erneuert.
Das Angebot der Firma MAX JÜDEL, BRAUNSCHWEIG belief sich für den Umbau am 20. Juli 1898 auf 28 100 Mark.

Um die Jahrhundertwende gab es in Frankfurt(Oder) vier Lokschuppen, den Großen oder Cottbusser Schuppen, den Posener Schuppen,
den Stettiner sowie den Kameruner. Allein der Kameruner Schuppen besaß 14 Lokstände.
In der Betriebswerkmeisterei arbeiteten 530 Menschen, davon ein Werkstättenvorsteher, zwei Lokleiter, vier Oberputzer, 26 Schlosser und 90 Lokputzer.
In Frankfurt(Oder) waren insgesamt 400 Lokführer und Heizer zu dieser Zeit beschäftigt. Bis zum ersten Weltkrieg waren hier rund
120 Maschinen beheimatet. Darunter waren Maschinen der späteren Baureihe 14, 17, 38, 53, 54, 55, 89 und 91.

Die Einwohner rund um Sandow schrieben am 15. November 1900 an den Königlichen Staatsminister, ob die Errichtung eines Haltepunktesbei Sandow schon in Aussicht genommen wäre.
Denn bereits seit 6 Jahren versuchten Sie Anschluss an die Eisenbahn zu bekommen. Am 18. Dezember 1900 kam die erneute Ablehnung zum Bau dieser Haltestelle.
Immer wieder versuchten die Einwohner in der folgenden Zeit den Bau doch noch durchzusetzen. Die gestiegenen Kosten für den Bau betrugen
 zum 02. April 1902 schon 107 000 Mark.

In einem Antrag vom 23. Dezember 1902 zum Jahresetat 1903 war überwiegend die Verstärkung der vorhandenen eisernen Überbauten vorgesehen. Die Kosten betrugen insgesamt 57 400 Mark.
Vorgemerkt waren die Brücken in den Kilometern 83.539, 84.350, 94.250, 109.342, 114.837 und 151.438.

Der gültige Fahrplan vom 01. Mai 1903 für die
Kursbuchstrecke (KBS) 63 zeigte insgesamt  4 durchgehende Zugpaare, 2 Zugpaare fuhren bis Grunow (bis 23.08.), 1 Zugpaar fuhr von Peitz nach Cottbus. Die Züge führten Wagen der 1-3. Klasse im Zugverband.

Am 21. September 1903 stellte die Gemeinde Mixdorf einen erneuten Antrag zur Errichtung eines Personenhaltepunktes im
Kilometer 133.35 zwischen den Stationen Müllrose und Grunow.
Mixdorf hatte zu dieser Zeit 300, die umliegenden Orte Merz 260 und Tschernsdorf 261 Einwohner. Große Hoffnungen versprach man sich von der Tatsache, das Mixdorf mitten im Schlaubetal als Ausflugsziel bekannt werden würde. Den Mehreinnahmen von 1 889.50 Mark standen Unterhaltungskosten von 250 Mark gegenüber.

Ferner würden infolge Ersetzung eines Schrankenwärters durch einen Bahnwärter 300 Mark Mehrkosten entstehen.
Die Kosten der Bauausführung beliefen sich auf 9 000 Mark.

In einem Bericht an die Eisenbahndirektion am 24. September 1903 wurden für die anstehende Verstärkung und Auswechslung der eisernen Überbauten im Kilometer 151.438 Kosten in Höhe von 51 000 Mark ausgewiesen.
Die alten Überbauten kurz vor Frankfurt(Oder) stammten noch aus dem  Jahre 1876, und wurden von der Firma CHRISTOPH in Nisky gebaut.
Als Ursache der Zerstörung der Überbauten stellte man fest:
„ Die Zerstörung des Bauwerkes könnte vielleicht auf die vorhandenen Gleitlager zurückgeführt werden, die offenbar nicht in der beabsichtigten Weise zur Wirkung kamen. Es wurde beobachtet, das beim befahren der Brücke durch schwere Maschinen die Verschiebung des Hauptträgers auf den Gleitlagern überhaupt nicht stattfand“.

Zum Ende des Jahres, am 17. Dezember 1903, kam endlich die Zustimmung zum Bau des Haltepunktes Sandow für insgesamt
195 000 Mark. 
                                                      
Am 04. Juli 1904 waren für die Brücke im Kilometer 151.438 die Gelder verfügbar. Jedoch wurde der Umbau verschoben, weil die Direktion Posen den Umbau des Personenbahnhofes Frankfurt(Oder) ankündigte, und anstatt 4 nun 6 Gleise durch die Brücke führen sollten.
                                                             
Am 26. August 1904 wurde die Aufhebung der bestehenden Signalstation (Blockstelle Markendorf) zwischen Müllrose und der Kreuzungsstation Tzschetzschnow beantragt.
Die Entfernung der Station Müllrose betrug 3.78 Kilometer und nach Tzschetzschnow 5.70 Kilometer. Der Stationswärter war mit der Ausübung des Signaldienstes und der Bedienung von zwei Zugschranken im Kilometer 142.050 und 143.533 beauftragt.
Ein Grund der Schließung der Station war die schlechte Sicht zu den bedienten Schrankenanlagen, weiterhin hatte die Blockstelle keinen wesentlichen Einfluss mehr auf die Durchführung des Zugverkehrs. Anstelle der Station sollte nun ein Schrankenposten (Po 104) den Überweg im Kilometer 142.050 sichern.
Der Überweg im Kilometer 143.533 wurde geschlossen, und an seiner Stelle wurde im Kilometer 143.795 eine Wegunterführung gebaut.
Die Brücke kostete 20 000 Mark.

Kostenersparnis bei Aufhebung der Signalstation

1,5 Bahnwärter a 972 Mark im Jahr                          1 458 Mark
Licht und Heizung                                                     42 Mark
Unterhaltung von 2 Signalen und 1 Zugschranke           100 Mark

Anfang weiter