Allgemeines aus der Vorschrift für die Bedienung des Privatgleisanschlusses der Firma Adolf Schmidt, Kunstmühle Müllrose 1928:
Seit etwa 1906 (Anschlussbahnvertrag 14.12.1906) bestand die Anschlussbahn vom Bahnhof in die Stadt Müllrose. 1928 erfolgte die Übergabe der Anschlussgleise an die DR. Der Anschluss hatte eine Gleislänge von etwa 2,2 Kilometer. Die auf dem Bahnhof Müllrose für die Abzweigung des Gleisanschlusses vorhandene doppelte Kreuzungsweiche 13, die beiden einfachen Weichen 18 und 19 und die zwischen den letzteren vorhandenen 2 Übergabegleise sowie das anschließende 21.68 m lange Gleisstück bis zur Geländegrenze der Reichsbahn hat am 01. Januar 1927 die Firma Adolf Schmidt in den Besitz der Reichsbahn übergeben.
Von dem Anschlussgleis in Kilometer 1.4 zweigt der Nebenanschluss der Firma M.Gründer, Inhaber August Forkel in Müllrose, bestehend aus der Anschlussweiche und 100m Gleis nebst Prellvorrichtung ab. Die Überwachung des ordnungsmäßigen Zustandes des Anschlusses erfolgte durch die Bahnmeisterei Müllrose.
Die Wagenbestellungen wurden vom Anschließer fernmündlich bei der Güterabfertigung Müllrose erledigt. Das verwiegen der Wagen erfolgte im Beisein von Personal des Anschließers auf dem Bahnhof Müllrose.
Lageplan der Anschlussbahn 1928
Mitnutzer der Anschlussbahn:
- VEAB Fürstenberg/Oder Landwirtschaftliche Erzeugnisse Erfassungsstelle Müllrose (ehemaliger Anschluss Forkel Müllrose, M.Gründer Sägewerk)
Anschlussweiche Km 1.4
Schienenbauform 6
Gleistor an der Einfahrt (Breite 5,5 m)
Handseilwinde, Rampe, überdachter Verladeschuppen
Radius 120m
Entzug der Betriebserlaubnis am 23. September 1968
Die Bereitstellung und Abholung der Wagen erfolgte an der Übergabestelle, Tarif- und Abfertigungsbahnhof war Müllrose.
- Staatlicher Forstwirtschaftsbetrieb Müllrose, im Bereich des Holzplatzes von
Kilometer 0,0 bis 0.43
- Anschlussgleis sowj.Feldposteinheit 45205 zwischen Weiche 18 und 19

Angaben zur Anschlussbahn Mühlenwerke:
gesamte Länge: 2.2 Kilometer
Schienenbauform 6
einfache Weichen 3
Neigung der Strecke 2.5 Promille (1:400)
Zulässige Achsenzahl der Übergabezüge 10 Achsen
Gleistor an der Einfahrt (Breite 5,5m)
Drehscheibe von 8m (später 6m?)Durchmesser im Mühlenwerk
Silogleis im Mühlenwerk
Ladegleis mit Rampe im Mühlenwerk
Lokschuppengleis im Mühlenwerk
Werkseigene Kleinlokomotive (bis ca.1959)
Anschlussbahnleiter 1958 Erwin Feuerstein und 2 Lokomotivführer
Rangierleiter stellte die Mühle. Diese erhielten bei DR in Frankfurt/Oder ihre Ausbildung.

Die Überwachung des betriebssicheren Zustandes oblag ab 1953 der Bahnmeisterei Grunow/NL.
1957 wurden Teile der Anschlussbahn im Bereich der Bebelstraße in Beton verlegt um die Betriebssicherheit zu erhöhen.
Ab dem 01. April 1959 übernahm die Kleinlokomotive des Bahnhofes Müllrose die Bedienung der Anschlussbahn. Die werkseigene Lokomotive der Mühlenwerke musste auf Grund von Ersatzteilmangel abgestellt und später verschrottet werden.
Der Bahnhofsbedienungsplan sah ab 01. August 1959 folgende Fahrten vor:
Bahnübergänge im Bereich der Anschlussbahn:
Holzplatz - Straße der DSF
Forst - Straße der DSF
August-Bebel-Straße
Karl-Marx-Straße
Seit dem 20. August 1962 gab es eine Genehmigung zum Rangieren von Eisenbahnfahrzeugen im Anschluss (Werkgelände) mit dem Straßenkraftfahrzeug mit dem polizeilichen Kennzeichen EC 15-49. Bis in die 1980ziger Jahren wurde dieser Rangiertraktor zum Rangieren im Werkgelände eingesetzt, der die Wagen dann auch bis zur Seeallee vorzog.
Während der Friedensfahrtetappe Forst – Berlin am 16. Mai 1980, die auch durch Müllrose führte, wurden die Spurrillen der Anschlussbahn wegen der Sturzgefahr verfüllt. Die Bahnübergänge mussten für die geplante Durchfahrt der Rennfahren von 14.05 Uhr bis 14.35 Uhr von Fahrzeugen frei gehalten werden.

Die Pauschalvergütung zum Anschlussbahnvertrag 01. Januar 1981 wurde von der DR auf jährlich 6976,20 Mark festgelegt. Darin enthalten waren u.a. die Mitbenutzung von Gleisen der DR sowie die Gangbarhaltung von Weichen.
Eine komplette Rekonstruktion der Anschlussbahn erfolgte in den Jahren 1982 und 1983. Ein 1986 geplantes Mehlsilo mit Umbau der Gleisanlagen, (die Fertigstellung sollte 1992 sein) kam nicht mehr zum tragen.
1988 hatte das Anschlussgleis noch eine nutzbare Länge von 1856m, gerechnet ab der Weiche 19. Die beide Übergabegleise und die Weiche 13 gehörten zum Bahnhof Müllrose. Ab Kilometer 1.75 Galt das Anschlussgleis als Ladegleis der Mühlenwerke.
Insgesamt waren in diesem Jahr 24 Wegübergänge, Zugänge und Zufahrten zu Wohnhäusern sowie Fußwege an der Anschlussbahn verzeichnet.
Verzeichnis der Wegübergänge der Anschlussbahn 1988
Nach dem Abzug der Kleinlokomotive des Bahnhofes Müllrose Anfang 1994 wurde die Anschlussbahn mit der großen Zuglokomotive des Nahgüterzuges bedient. Diese konnte aber auf Grund des engen Radius im Bereich der Seeallee nicht bis zum Werkgelände der Mühle fahren. Die Wagen wurden im Bereich des ehemaligen Kinderheims abgestellt und abgeholt.
Kurze Zeit später wurde die Anschlussbedienung komplett eingestellt, da nur noch wenige Güterwagen die Mühle Müllrose verließen.
Noch 1997 sollte das Anschlussgleis zur Nutzung von Exportverträgen mit Russland genutzt werden. Diese kamen aber auf dem Schienenweg nicht mehr zum tragen.
Im Herbst 1999 begann die Sanierung der Seeallee und damit verschwanden die ersten Gleise der Anschlussbahn aus dem Stadtbild. Bis zum Dezember waren dann bis auf ein kleines Reststück im Werkgelände alle Gleise der Anschlussbahn verschwunden.
Heute erinnert nur noch dieses Reststück auf dem Werkgelände und ein kleines Gleisstück im neuen Radweg neben der Straße nach Eisenhüttenstadt an diese ehemals 2.2 Kilometer lange Anschlussbahn in Müllrose.