10.Betriebsführung und Sicherungstechnik

                        

Für alle zur Müncheberger Betriebsverwaltung gehörenden Bahnen galten bis zur Übernahme durch die DR die Fahrdienstvorschriften für Kleinbahnen (KFV) und das Vereinfachte Signalbuch (vSB)

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Die Abwicklung des Fahrdienstes auf und zwischen den Betriebsstellen wurde nach dem Stand von 1942 durch die Fahrdienstleiter folgender Zugfolgestellen geregelt:

Beeskow Klbf.           Hasenfelde        Groß Neuendorf

Bad Saarow              Dolgelin Klbf.    Wriezen Klbf.

Ketschendorf            Golzow Klbf.      Müncheberg Stadt

Fürstenwalde Klbf.      Zechin            Buckow(Märk.Schweiz)

 

Die Abgabe von Zuglaufmeldungen durch die Zugführer war auf abhängigen Zugfolgestellen zugelassen :

Groß Rietz              Diedersdorf             Kienitz Dorf

Neuendorf-Bucholz       Sachsendorf             Neubarnim

Heinersdorf             Golzow Abzweigung       Neulewin

Falkenhagen             Friedrichsaue           Eichwerder

Lietzen Dorf            Wollup                                 

 

In den Buchfahrplänen war angegeben, bei welchen Zügen der Zugführer diese Meldung abzugeben hatte.

Das Zugmeldeverfahren nach § 12 der KFV fand keine Anwendung auf den Strecken: - Petersdorf - Silberberg - Waldschänke

              - Friedrichsaue - Genschmar

              - Dahmsdorf-Müncheberg - Müncheberg-Stadt

              - Dahmsdorf-Müncheberg - Buckow.

 

In diese Streckenabschnitte durfte ein Zug erst einfahren, wenn ein vorausgefahrener Zug wieder zurückgekehrt war.

Zur Abgabe aller Meldungen und Verständigung der Betriebsstellen untereinander stand eine einfache OB-Ringleitung zur Verfügung. Nur die besetzten Stationen waren mit einem Fernsprecher ausgerüstet. Klappenschränke waren in Wriezen, Fürstenwalde, Beeskow und in der Betriebsverwaltung in Müncheberg installiert.

Zur Lösung verkehrlicher Aufgaben war in der Regel zusätzlich ein Posttelefon vorhanden.

Die Sicherungstechnik war verhältnismäßig einfach gestaltet .Erst ab 1942 gab es auf dem Kleinbahnhof Fürstenwalde je ein zweiflügeliges Einfahrsignal aus Richtung Hasenfelde und Beeskow, später auch in Hasenfelde für die Einfahrt aus allen drei Richtungen  / 34 /.Im Geschäftsbericht für das Jahr 1940 heißt es dazu:" Schließlich ist im Berichtsjahr der Bau eines Stellwerkes in Fürstenwalde (Fük) in die Wege geleitet worden." Für 1941 wurde eingeschätzt:" Der teilweise schon im Vorjahr beschlossene Bau der Sicherungsanlagen in Fürstenwalde/Spree und Hasenfelde ist im Berichtszeitraum fortgesetzt worden." Diese Arbeiten wurden 1942/43 auf beiden Bahnhöfen  weitergeführt.

"Neu in Angriff genommen wurden die Beschaffung bzw. der Neubau der Sicherungsanlagen in Groß Neuendorf", ist im Geschäftsbericht für das Jahr 1943 festgehalten. Die beiden damals errichteten Einfahrsignale hatten jedoch keine lange Lebensdauer. Auf Grund von Kriegsschäden erfolgte 1950/51 der Abbau. Es kann davon ausgegangen werden, daß auch das Einfahrsignal in Beeskow im Zusammenhang mit Verbesserungen an den Sicherungsanlagen Anfang der 40er Jahre aufgestellt wurde. In der SbV von 1942 heißt es:" Auf den Bahnhöfen Waldfrieden und Müncheberg Stadt sind an Stelle von Hauptsignalen mit Flügeln Lichtsignale aufgestellt". Es ist nicht bekannt, wann diese wieder verschwanden .

Im Zusammenhang mit der Anbindung der ObB an die Strecke Frankfurt (Oder) - Eberswalde Anfang der fünfziger Jahre wurde bei Alt Bliesdorf ein Hauptsignal errichtet.

Zugkreuzungen waren auf folgenden mit Trapeztafeln ausgerüsteten Bahnhöfen zugelassen:

Groß Rietz                         Falkenhagen       Zechin

Pfaffendorf                       Lietzen Dorf      Kienitz Dorf

Bad Saarow-Pieskow      Diedersdorf       Groß Neuendorf

Bad Saarow                      Dolgelin Klbf.    Neulewin

Petersdorf                        Sachsendorf       Neubarnim

Ketschendorf                 Golzow Abzwg.     Eichwerder

Neuendorf-Buchholz      Friedrichsaue     Müncheberg Stadt.

 

Die Reihenfolge der Einfahrten in die Bahnhöfe waren durch den Fahrplan festgelegt. Kreuzungsverlegungen infolge Verspätungen oder Kreuzungen mit Sonderzügen wurden den beteiligten Lok- und Zugpersonalen mit dem Kreuzungsbefehl bzw. später mit dem

Befehl N zur Kenntnis gebracht.

Als Höchstgeschwindigkeiten waren 1942 auf den Streckenabschnitten für alle Züge von der Aufsichtsbehörde zugelassen :

- Beeskow - Fürstenwalde -----------------------               40 km/h

- Petersdorf - Silberberg - Waldschänke---------         30 km/h

- Fürstenwalde - Hasenfelde - Wriezen-----------       50 km/h

- Friedrichsaue - Genschmar---------------------...        50 km/h

- Hasenfelde - Müncheberg  Stadt-----------------      50 km/h

- Müncheberg Stadt - Dahmsdorf- Müncheberg- -30 km/h

- Dahmsdorf- Müncheberg - Buckow-----------------50 km/h.

 

Alle Weichen und Gleissperren waren ursprünglich handbedient und mit Schlüsselsicherungen versehen. Die Schlüssel wurden bei den besetzten Betriebsstellen am Schlüsselbrett aufbewahrt. Für die unbesetzten Betriebsstellen waren die Weichen- und Gleissperrschlüssel bei den Fahrdienstleitern bestimmter Bahnhöfe  deponiert. Nur mit Zustimmung des zuständigen Fahrdienstleiters durften sie gegen Unterschrift in einem besonderem Schlüsselbuch an den Zugführer zur Bedienung eines unbesetzten Bahnhofes herausgegeben werden. Die Rückgabe der Schlüsselbunde blieb so unter Kontrolle.

Wie das auf dem Bahnhof Groß Neuendorf funktionierte schildert  Alfons Bursch:" Alle Schlüssel der Verschlüsse der ortsbedienten Weichen und Gleissperren befanden sich im Schlüsselwerk beim Fahrdienstleiter. Bei eingestellten Fahrwegen nach den Gleisen 1 und 2 mußte der nun freiwerdende Schlüssel für das betreffende Signal in die angebrachte Schlüsseltasche deponiert werden, bis die Zugfahrt beendet war. Erst dann durfte er wieder entnommen werden, ins Schlüsselwerk gesteckt und damit der Fahrweg aufgelöst werden". Ersatzteilprobleme führten in den fünfziger Jahren zur Eigenfertigung von Gleissperren aus Holzschwellen.

 

Schrankenanlagen existierten auf der Oderbruchbahn nur im Parallelbetrieb mit der Staatsbahn in Fürstenwalde und zwischen Wriezen und Alt Bliesdorf. Am 09.08.1911 schrieb die FÜRSTENWALDER ZEITUNG:" Am Bahnübergang bei Bude 47,wo bekanntlich der Weg über die Staats- und Kleinbahngleise führt, hat sich jetzt zum Schrankenwärter der Staatsbahn auch ein solcher der Kleinbahn gesellt. Wegen des zu starken Verkehrs ist der Kleinbahnverwaltung von der Aufsichtsbehörde aufgegeben worden, die dort angebrachte Schranke bei Annäherung zu schließen und nicht nur durch Läuten und Pfeifen das Publikum auf das Nahen eines Zuges aufmerksam zu machen. Ein idyllisches Bild, neben dem Wärter der Staatsbahn derjenige der Kleinbahn! Jeder wacht für seine  Strecke...".

Die vier Wegübergänge an der Strecke Eberswalde - Frankfurt (Oder) zwischen Wriezen und Alt Bliesdorf  wurden in die Schrankenanlage der Reichsbahn mit einbezogen." Bei Wärterbude 25 und 26 der Reichsbahn ist ein Läutewerk aufgestellt, das von den Kleinbahnhöfen Wriezen und Eichwerder aus bedient wird", heißt es in einer Dienstanweisung des Reichsbahn-Betriebsamtes Eberswalde vom 15.März 1940."Die Bedienung der Schranken bei Durchfahrt der Kleinbahnzüge erfolgt durch die Wärter der Reichsbahn bei Bude 25 und 26.Die Bedienung der Läutewerkanlagen obliegt bei den Zugfahrten in Richtung Eichwerder dem Fahrdienstleiter des Kleinbahnhofes Wriezen, bei den Zugfahrten in Richtung Wriezen auf Bahnhof Eichwerder dem Zugführer, bei einzeln fahrenden Lokomotiven dem Lokomotivführer". Die Läutewerke wurden Mitte der fünfziger Jahre außer Betrieb genommen.

Anfang der fünfziger Jahre wurde in Arensdorf an der Kreuzung mit der heutigen B5 eine Haltlichtanlage installiert.

Auf der Kreisbahn Beeskow - Fürstenwalde wurden 1951 in Bad Saarow und Fürstenwalde Süd mechanische Vollschrankenanlagen errichtet  / 35 /.

Mit der Übernahme der ehemaligen Privatbahnen kamen die Vorschriften der DR zur Anwendung.Die Abwicklung des Betriebsdienstes erfolgte ab 1960 auf der Grundlage der Betriebsvorschrift für den vereinfachten Nebenbahndienst (BNd), DV 437.

Entsprechend der Entwicklung bei der DR kamen ab 1955 Dispatscheranlagen  in Fürstenwalde Klbf., Hasenfelde, Müncheberg Stadt, Dolgelin Klbf. ,Zechin, Groß Neuendorf, Eichwerder, Fürstenwalde Süd, Bad Saarow Pieskow und anfänglich auch auf den Kleinbahnhof Beeskow zum Einsatz .

Die Zugmeldestelle Eichwerder wurde jeweils zur Rübenkampagne in die Zuckerfabrik Thöringswerder verlegt und in einem dort stationierten Personenwagen untergebracht.

 

 

 

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