11.3. Wagen

 

Im Jahre 1911 beschaffte die Oderbruchbahn 14 zweiachsige Personenwagen zum Einzelwert von 8127 Mark  / 28 /.

Davon waren 7 Wagen der Gattung BC mit 16 Plätzen der ersten Klasse und 30 Plätzen der zweiten Klasse ausgestattet, 7 Wagen der Gattung C hatten 50 Plätze der dritten Klasse. Alle Wagen besaßen eine Görlitzer Gewichtsbremse, Dampfheizung, Petroleumbeleuchtung und Plattformen an den Stirnseiten zum Ein- und Aussteigen. Sie erhielten die Wagennummern 4 bis 17.Gleichzeitig wurden zum Preis von je 6600 Mark 6 Post- und Gepäckwagen mit dem Gattungszeichen CP Post und einem Abteil dritter Klasse in Dienst gestellt. Auch sie waren mit Görlitzer Gewichtsbremse, Petroleumbeleuchtung und Dampfheizung ausgerüstet. Sie erhielten die Wagennummern 18 bis 23.

Die Nummern 1 bis 3 belegte die Müncheberger Kleinbahn. Sie besaß nur 3 Wagen für den Reisezugdienst, zwei Plattformwagen der Gattung BC mit 8 Plätzen zweiter Klasse und 40 Plätzen dritter Klasse davon 1 Wagen mit Görlitzer Gewichtsbremse und 1 Wagen ohne Bremse. Der dritte Wagen der Gattung CP Post besaß eine Heberleinbremse. Auch diese zweiachsigen Wagen hatten Dampfheizung und Petroleumbeleuchtung / 16 /.

Die Umstellung des Fahrzeugparks der ObB auf Druckluftbremsen begann schrittweise im Jahre 1937.Nach Ablauf des Jahres 1938 waren 5 Lokomotiven, 5 Personenwagen und 4 Gepäckwagen ausgerüstet.

Die Zahl der Reisezugwagen hat sich bis zum Ende des 2.Welt-krieges kaum verändert. Anders sah das bei den Güterwagen aus. Nach Übersichten aus den Jahren 1936 und 1938 gehörten der ObB

6 Marktwagen, 38 gedeckte Wagen der Gattung Gm und 71 offene Güterwagen der Gattung Om. In der Sonderanlage zur Vermögenserklärung / 38 / wurden am 01.01.1939 nur noch 35 gedeckte Güterwagen, Beschaffungsjahr 1911, zum Preis von je 2810 Mark und 52 offene Güterwagen, ebenfalls 1911, zum Preis von je 2020 Mark genannt.

Während für das Geschäftsjahr 1932 die Laufleistungen der eigenen Personenwagen der ObB mit 853334 Achskilometer und die der eigenen Post- und Gepäckwagen mit 532494 Achskilometer beziffert wurden, konnten die Leistungen für die Güterwagen nicht ermittelt werden, da der überwiegende Teil bereits seit 1911 in den Wagenpark der Staats- bzw. Reichsbahn eingestellt worden war. Im Jahre 1935 gehörten zum Bestand 106 Güterwagen, die in Kooperation mit der DR genutzt wurden. 1941 wurden fünf gebrauchte Kesselwagen beschafft.

Besonders kritisch war die Situation nach 1945.Anstelle der früher vorhandenen 23 Personen- und Packwagen waren am 01.06.1945 noch 11 bzw. am 30.09.1946  14  eigene oder fremde Wagen vorhanden. Zum gleichen Zeitpunkt waren 66 Güterwagen im Reichsbahnwagenpark eingestellt.

Die damalige Lage wird auch deutlich in einem Unfallbericht vom 09.Januar 1948:"Wegen Mangel an Personenwagen zur Bewältigung des Personenverkehrs werden in dem Streckenabschnitt Dahmsdorf - Müncheberg - Hasenfelde - Fürstenwalde außer den drei zur Verfügung stehenden Personenwagen noch gedeckte Güterwagen Bu 21 und OBB 91 zur Personenbeförderung herangezogen".

Die Bahn verfügte auch über eigene Bahndienstwagen und Kleinwagen.1939 wurden im Bestand 7 Bahnmeisterwagen aus dem Jahre 1911 und zwei als Zugang im Jahre 1926 ausgewiesen. Für drei vorhandene Motordraisinen sind die Beschaffungsjahre 1926 und 1927 angegeben. Eine noch 1938 registrierte Hebeldraisine erscheint 1939 nicht mehr. Der Bedarf an solchen, vom Kraftstoff unabhängigen, Fortbewegungsmitteln war zur damaligen Zeit offen-sichtlich groß, denn 1943 wurden 6 Hebeldraisinen neu beschafft.

Für die Unkrautbekämpfung gab es einen 1927 altbrauchbar gekauften Flachwagen und einen ebenfalls altbrauchbar 1930 beschafften Kesselwagen.

Bei unseren Recherchen auf den Spuren der Oderbruchbahn entdeckten wir in der Anschlußbahn der Zuckerfabrik Thöringswerder einen gedeckten Güterwagen aus der Entstehungszeit der Oderbruchbahn. Dieser Werkwagen weist folgende technische Merkmale auf:

 - Radstand 4 m

 - Ladefläche 7,15 m x 2,60 m = 18,59 m2

 - Höhe des Wagenkastens von Schienenoberkante 3,35 m

 - zweiarmige Stangenpuffer

 - 10 - lagige Tragfedern

 - durchgängige Zugstange mit Schraubenfeder in der Mitte

 - gewölbte hölzerne Dachsparren im Abstand von 0,45 m

 - seitliche Schiebetüren

 - Anschrift: VEB Zuckerfabrik Thöringswerder 11.

Nach / 16 / hatten die Güterwagen der Oderbruchbahn folgende Abmessungen: Gm 24 bis 30  Radstand 4,5 m , Ladefläche 21,3 m2

          Om 68       Radstand 4,0 m , Ladefläche 18,4 m2

          Om 69       Radstand 3,0 m , Ladefläche 14,9 m2.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß es sich um einen umgebauten ehemaligen O-Wagen handelt.

 

11.4. Diesellokomotiven und  Kraftfahrzeuge

Laut Geschäftsbericht für das Jahr 1939 "ist im Zuge der Erneuerung der Fahrzeuge... eine neuzeitliche 2-Achs-Diesel-lokomotive (Bauart Deutsche Werke) beschafft worden".  Diese Motorkleinlokomotive sowie die V 36 109  sind am 01.01.1950 in den Bestand der DR übergegangen.

Seit dem 01.07.1941 unterhielt die Gesellschaft neben dem Bahnbetrieb auch einen Kraftverkehrsbetrieb für den örtlichen Personenverkehr von und nach Fürstenwalde/Spree (Stadtverkehr Fürstenwalde)  / 28 /. Zur Erfüllung dieser neuen Aufgabe beschaffte die ObB einen fabrikneuen Büssing- Trambus und

2 gebrauchte Ford-Omnibusse. Im Zusammenhang mit steigenden Kraftverkehrsleistungen wurden noch 1942 altbrauchbare Omnibusanhänger angekauft.

 

 

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