12. Die Hauptwerkstatt in Müncheberg

 

Für die Durchführung aller Untersuchungen und größeren Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen der Oderbruchbahn, der Kreisbahn Beeskow - Fürstenwalde und der Müncheberger Kleinbahn war die Hauptwerkstatt in Münchberg zuständig.

Der heute noch vorhandene Gebäudekomplex liegt außerhalb von Müncheberg an der Bundesstraße 1.Er wurde zwischen dem Haltepunkt Elisenhof und dem Bahnhof Müncheberg (Stadt) errichtet und war über eine Weichenverbindung in km 5,6 für Schienenfahrzeuge erreichbar.

In ihrer vierzigjährigen Eisenbahngeschichte hat diese Hauptwerkstatt einige Umbauten erlebt.

Die Reparaturhalle, in der Entwurfszeichnung vom 28.Dezember 1910 als Montage- Werkstatt bezeichnet, war 30 m lang und mit 2 Gleisen sowie 22 m langen Arbeitsgruben, einem Laufkran für 8000 Kg Tragkraft und einer Achssenke ausgestattet. Sie hatte Oberlichter und Seitenfenster.

Anfang der 20er Jahre erfolgte parallel dazu der Anbau für die Wagenreparatur mit einem Gleis. Die Mittelhalle wurde nun nur für die Lokreparatur genutzt. Einer der 4 Lokstände war für die Kesselschmiede eingerichtet.

Zur Hofseite befanden sich die Nebenwerkstätten. In den 30er Jahren waren es die Dreherei und mechanische Werkstatt, Schmiede, Formerei und Gießerei sowie Lager- und Sozialräume .Die Schweißerei war in der Lokhalle untergebracht. Der Antrieb der Werkzeugmaschinen erfolgte ursprünglich von einer "Lokomobile" über Transmissionsanlagen.

Oberhalb des Wasch- und Umkleideraumes befand sich der Wasserturm, der von einem 86 m tiefen Brunnen gespeist wurde. Am Standort des ehemaligen Pumpenhauses entstand ein kleines Verwaltungsgebäude. Damit konnte die freigewordene "Meisterstube" zum Frühstücksraum für die Beschäftigten umfunktioniert werden. Aus der "Lackierhalle" wurde ein Magazin, das einen Teil seiner Fläche 1936 für die Holzaufbereitung zum Betrieb des Holzgastriebwagens abzweigen mußte.

Die Feilbänke für die Handwerker standen in der jeweiligen Halle. Wie in einem Reichsbahnausbesserungswerk wurden sämtliche Arbeiten an Lokomotiven, Wagen und Triebwagen ausgeführt Selbst Feuerbuchsen wurden hergestellt. Die Schweißer waren befähigt, Kupfer zu schweißen.

Es wurden u.a. Radreifen aufgezogen und abgedreht, Lager ausgegossen und ausgedreht, Rotgußlager und -teile in der Gießerei hergestellt, Bremsuntersuchungen durchgeführt und die Tauschteile zur Aufarbeitung weggeschickt.              Für Achsarbeiten waren handbediente Hebeböcke vorhanden .Zum Abnehmen der Lokkessel diente der erwähnte Laufkran.

Die Bemessung der Arbeitskräfte erfolgte unter Beachtung der vom Landesverkehrsamt Brandenburg zugeordneten Aufgaben, wie z.B. Reparaturen an Lokomotiven und Triebwagen der Kleinbahn Freienwalde - Zehden. Im Jahre 1935 waren in der Hauptwerkstatt Müncheberg 29 Arbeiter und 5 Lehrlinge beschäftigt, 1942 wurden 36 Arbeiter und 5 Schlosserlehrlinge nachgewiesen .Im Einzelnen sah das wie folgt aus  / 52 / : 14 Schlosser,1 Schweißer, 1 Schmied,3 Kesselschmiede, 2 Arbeiter, angelernt als Kesselschmiede,3 Dreher,1 Arbeiter, angelernt als Achsendreher,
1 Eisenhobler,1 Former,2 Tischler,2 Maler,4 Putzer (Arbeiter), 1 Bote (Arbeiter).

Zur Verwaltung gehörten ein Meister, der gleichzeitig Werkstattleiter war, und eine Bürokraft.

Die Kämpfe um Müncheberg im April 1945 hatten Spuren in der "Oderbruch- Eisenbahnwerkstatt" hinterlassen. "Am Anfang war da eine Bruchbude und darin eine Feilbank, drei Drehmaschinen und eine Bohrmaschine. Eisenbahnwerk Müncheberg nannte sich das", heißt es im "Porträt einer Stadt der Freundschaft" vom 30.01.1975.

Mit der Aufnahme des Bahnbetriebes im April 1946 war auch die Hauptwerkstatt wieder voll gefordert. Zeitzeugen berichten, daß sie nach ihrer Rückkehr aus der Gefangenschaft 1947/48 dort  eine Tätigkeit aufnahmen und sich später zu Lokführern weiterqualifizierten.

Zwischenzeitlich firmierte sie als Bahnbetriebswerk Müncheberg und war dem Reichsbahnausbesserungswerk  Berlin Warschauer Straße unterstellt.

Nach der Übernahme der ObB durch die DR war die Werkstatt für die Ausbesserung von Eisenbahnfahrzeugen nicht mehr notwendig.

Mit Wirkung vom 26.Juni 1951 erfolgte die "Übergabe des ehemaligen Bahnbetriebswerkes Müncheberg mit Inventar durch die Generaldirektion Reichsbahn sowie das Reichsbahnausbesserungswerk Berlin an die Vereinigung Volkseigener  Maschinen-Ausleih-Stationen Brandenburg".

In einer Inventurliste waren die zur Übergabe vorgesehenen Werkstoffe und Werkzeuge zum Wert von 24 957,83 DM aufgeführt.

Das zum Werk gehörende Wohnhaus wurde mit Wirkung vom 01.01.1952 mit einem Restbuchwert von 19 432 DM übergeben  / 53 /.

 

 

 

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