3. Das Oderbruch - Land und Leute

 

Die Niederung zwischen dem Oderstrom und den Höhen des Barnim verdankt ihr heutiges Aussehen der Urbarmachung zur Zeit der Regentschaft Friedrichs des Großen.

Christiani , ein Zeitgenosse Fontanes, skizziert das Bruch als "eine Oase in den Märkischen Sandfeldern, etwa 10-15 Meilen von Berlin entfernt" / 1 /.Über eine Fläche von rund 650 Quadratkilometer, von Hohensaaten im Norden und Lebus im Süden bis an die Höhenzüge im Westen auf der Linie Bad Freienwalde - Wriezen - Neuhardenberg - Seelow, erstreckt sich die fruchtbare Ebene.

Fontane  beschreibt in den "Wanderungen" /2 / das Bruch vor seiner Urbarmachung als eine Wüste und wilde Fläche, die von einer unzähligen Menge größerer und kleinerer Arme der Oder durchschnitten wurde. In jedem Frühjahr stand das Bruch zweimal unter Wasser, um die Fastenzeit wenn der Schnee vor Ort schmolz und zu Johanni wenn die Schneeschmelze aus den Sudeten die Oder abwärts floss. Die Bewohner der wenigen kleinen Haufendörfer versuchten ihre Häuser durch "gewaltige häuserhohe aus Kuhmist aufgeführte Wälle" vor Überschwemmungen zu schützen.

Der fast legendäre Fischreichtum und die Rindermast auf fetten Weiden bildeten die Haupteinnahmequellen. Die überwiegend wendische Bevölkerung lebte in den Dörfern des Bruches weitgehend isoliert von den "Randdörfern". Fontane charakterisierte die alten Oderbrücher als "von der Welt abgeschnittene, von jeder Idealität losgelöste Existenzen.

Es waren  gutgeartete..., aber jedenfalls rohe in Aberglauben und Unwissenheit befangene Gemeinschaften". Ihre Isoliertheit war wohl auch von außen her bedingt, denn "die Brücher lebten, was geistlichen Zuspruch und geistiges Leben anging, von den Brosamen, die von des Herren Tische fielen".

Der Charakter dieser Landschaft änderte sich mit der Entwässerung des Nieder-Oderbruches. 1736 hatte das Hochwasser den bei Neuendorf schon vorhandenen Deich durchbrochen und das obere Oderbruch überschwemmt.

Friedrich  Wilhelm  I. beauftragte den Holländer Simon Leonhard von  Haerlem  mit einer Studie über die Eindeichung des "Oderbruches auf seiner gesamten Strecke" / 3 /. Haerlem kam zu dem Ergebnis, dass dies möglich aber schwierig und kostspielig sei. Das ließ den König zu dem Schluss kommen: "Ich bin jetzt zu alt und will es meinem Sohn überlassen". Friedrich II. griff den Gedanken seines Vaters auf, ließ das Haerlem'sche Projekt durch den Mathematiker Leonhard Euler , Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, begutachten und befahl nach dem Ende des 2. Schlesischen Krieges den Bau eines Kanals zwischen Güstebiese und Hohensaaten und die Eindeichung der "neuen" und "alten" Oder.   *)

Friedrich ließ außerhalb Preußens Siedler anwerben, denen er Steuernachlässe, Freiheit "von aller Werbung" und Religionsfreiheit zusicherte. 1753 begann mit Neulietzegöricke die Anlage neuer Kolonistendörfer. Insgesamt entstanden 43 Dörfer. Die Kolonisten kamen aus der französischen Schweiz, der Pfalz, aus Hessen, Franken, Mecklenburg, Sachsen, aus Polen, Schweden und Östereich. Der Fleiß der Menschen und die Fruchtbarkeit des  "schönen, fetten Erdreichs mit vielem Humus" sicherte jedem seinen Erfolg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte Albrecht Daniel Thaer das Oderbruch zu einem "der wichtigsten Mittelpunkte für die Reform des landwirtschaftlichen Betriebes"

/ 4 /.Das Oderbruch wurde zu einer Kornkammer Preußens und zu einem der wichtigsten Gemüselieferanten Berlins. Mit dem verstärkten Rübenanbau in den 50er Jahren war der Bau von Zuckerfabriken verbunden. Die "Industrialisierung der Bruchdörfer" wurde durch die Errichtung von Brennereien zur Produktion von Kartoffelsprit ergänzt. Rinder- und Gänsemast sowie Schafhaltung vervollständigten die Palette der Produkte. Die Bauern im Bruch wetteiferten mit den Gütern des Landadels auf den Flächen des Barnims.

Dies etwa war die wirtschaftliche Lage zum Ende des 19.Jahrhunderts als in zunehmendem Maße zunächst im Oderbruch, dann auch auf der Höhe Wünsche und Forderungen nach Errichtung einer Eisenbahn zur besseren Erschließung der Region laut wurden.

 

 

-------------------

*) Die Historie kann man bei einem Besuch im Oderlandmuseum

   in Bad Freienwalde nachvollziehen.

 

              zurück  Anfang Seite 4