Dienstort Frankfurt (Oder)

Nach Gründung der DDR und stärkerer Durchsetzung planwirtschaftlicher Prinzipien wurde es für die Deutsche Reichsbahn immer schwieriger, Arbeitskräfte oder Baukapazitäten zu erhalten. Die territorialen Bilanzierungsorgane sorgten primär für die Wirtschaftsbereiche, für die sie Verantwortung trugen. Die Ergebnisse der Eisenbahn wurden zentral abgerechnet, kein Bürgermeister hatte sie zu verantworten, die Deutsche Reichsbahn blieb weiterhin »Staat im Staate«. An Abstimmungen mit den Territorien nahmen Eisenbahner verschiedener Leitungsebenen teil. Um diesen Mangel abzuschwächen, wurde ab 1959 in Orten mit mehreren Eisenbahndienststellen ein Dienstvorsteher als »Dienstortältester« eingesetzt. Er sollte die Zusammenarbeit zwischen den Dienststellen und dem Territorium koordinieren. In einer besonderen »Ordnung für Dienstorte«, am 21.Dezember 1978, 1. Juli 1984 und 1.Januar 1989 jeweils als »Ordnung Beauftragte« neu herausgegeben, wurden die Einzelheiten geregelt. Danach hatte der Dienstortälteste nach einem festen Plan Dienstortberatungen mit allen Vorstehern durchzuführen und die Aufgaben zu koordinieren. Es gab nur noch einen Ansprechpartner vor Ort für Kommunen und Wirtschaft. Auf dieser Grundlage entstanden in Frankfurt gute Beziehungen zwischen dem jeweiligen Dienstortältesten und dem Oberbürgermeister. In den letzten Jahren war es üblich, Vereinbarungen zwischen dem Rat der Stadt und dem Dienstort über im gegenseitigem Interesse zu lösende Aufgaben abzuschließen. Fahrpläne und größere Bauvorhaben bei der DR wurden abgestimmt, um nachteilige Auswirkungen für die Bevölkerung möglichst zu vermeiden. Das war bei der hohen Belastung im Reise- und Güterverkehr nicht immer leicht. Besonders kompliziert wurde es, als Mitte der 80er Jahre die ersten Bauvorhaben für die Elektrifizierung anliefen und die Baukapazität vorn und hinten nicht reichte. Ständiges Thema bei Beratungen waren fehlende Arbeitskräfte und der Mangel an Wohnraum. Weil im Gegensatz zu heute immer mehr Transporte auf die Schiene gebracht wurden, mussten von den über 2400 Frankfurter Eisenbahnern viele Überstunden (1979 durchschnittlich 176 pro Kopf) geleistet werden. Beim Wohnraum gab es hin und wieder einen Lichtblick. Beim »Kampf um jede Seele« verwies der OB meistens auf die Möglichkeiten der Bahn. Nur für das Bahnstromwerk gab es Zugeständnisse. Seine Besetzung war eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme des elektrischen Zugbetriebes am 15.12.1990.
Dienstortälteste waren: Werner Kisel (1959 – 1963), Bernhard Schulz (1963 - 1970); Werner Schrabback (1970 - 1978), Lothar Meyer (1978 – 1985), Manfred Lorenz (1985 - 1990).

Zum Dienstort Frankfurt (Oder) gehörten am 1. Januar 1980 einschließlich der den technischen Dienststellen unterstellten Außenstellen in Wriezen, Kietz, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt 2752 Beschäftigte, davon 2416 in Frankfurt (Siehe Struktur).
Im Januar 1998 waren in Frankfurt in den Geschäftsbereichen Personenverkehr (32 Mitarbeiter), Fernverkehr (25), Nahverkehr (140), DB Cargo (348) und Netz (195) der DB AG noch 740 Eisenbahner tätig. Rechnet man die Nachfolgeeinrichtungen Anlagen- und Hausservice (55 Mitarbeiter), Arcor (20), Eisenbahnsiedlungsgesellschaft Berlin m.b.H. (5), Dienstleistungszentrum Bildung (4), Lehrwerkstatt (5), Dienstleistungszentrum Gastronomie (7) und die Bahnreinigung (80) hinzu, erhöht sich die Zahl auf 916 Mitarbeiter.

Autoren: Lothar Meyer/ Horst Regling