Draisine Oderland

Die Oderland – Draisine

Am 21. Juni1 1989 wurde, erbaut von den Lehrlingen der Betriebsschule des Reichsbahnamtes Frankfurt/Oder, durch den Vizepräsidenten der Reichsbahndirektion Berlin während des letzten „Fahrt frei – Pressefestes“ in Kietz eine rekonstruierte Hebeldraisine dem Dienstort zum Verbleib übergeben.
Als im Rahmen der Traditionspflege dem 150 jährigem Jubiläum der „Saxonia“ gedacht und zu Spendenaktionen aufgerufen wurde, kam der Gedanke eines eigenen Beitrages auf. In einem Lagerschuppen im Bahnhof Müllrose fand sich eine schrottreife Draisine, 1910 in München gebaut, die letzte Ihrer Art. Sie wurde der Lehrwerkstatt der Betriebsschule Frankfurt(Oder) übergeben und von den Lehrmeistern und Fahrzeugschlosserlehrlingen mit Begeisterung rekonstruiert.
 Sie erhielt den Namen „Oderland“ (siehe Foto).
Jeder Eisenbahn-Fan muss einmal eine Draisine selbst bedient haben und damit gefahren sein. Die Oderland erfreut bei öffentlichen Einsätzen die Herzen von jung und alt.
Wenige Monate nach der Wende organisierten sich auch in den neuen Bundesländern zunehmend Eisenbahner in der Solidargemeinschaft Bahn-Sozialwerk (BSW). Da Kultur- und Freizeitgruppen von Eisenbahnern hier eine neue Heimstatt fanden, wurde auch die wieder hergestellte Draisine von den Eisenbahnern in Kietz mit in das Sozialwerk eingebracht.
Im Jahr 1992 begannen auch im Bezirk Berlin die ersten Versuche sich im Freizeitbereich Modelleisenbahn/Historische Bahn innerhalb des BSW zu organisieren.
Da es im Bahnstromwerk Doberlug-Kirchhain eine Gruppe begeisterter Eisenbahner gab, die bereits Erfahrungen mit Draisinen hatten, übergaben die Kietzer Freunde die „Oderland“ zur Pflege, Wartung und Aufbewahrung dieser BSW-Gruppe. Die Oderland wurde im Bezirk zu Veranstaltungen wie Bahnhofsfesten, beim Dresdner Dampflokfest bis hin zu Festumzügen in Finsterwalde bekannt. Da die BSW-Gruppe gute Kontakte zum Verein der Niederlausitzer Museumseisenbahn (NLME) unterhielt, erfolgte auf der Strecke Finsterwalde Richtung Crinitz ebenfalls der Einsatz unser BSW-Draisine.  Die Berliner Freunde vom SVT Bauart Görlitz in Berlin-Lichtenberg betreuten die Oderland, wobei die Draisine selbst bei der NLME verblieb und bei Einsätzen von dort jeweils aufwendig in den Berliner Raum überführt wurde.
Diese finanzielle Belastung führte dazu, dass unser BSW-Schmuckstück 2007 nach Berlin-Schöneweide umzog, nachdem die BSW-Gruppe „Traditionszug Berlin“ im Schuppen einen
Platz gefunden hatte. Zur 20-jährigen Geschichte gehört aber auch diese Episode: Im Jahr 2003 bildete sich eine Gruppe von Eisenbahnern in Frankfurt/Oder, die sich mit der Historie ihres Dienstortes beschäftigten und der Stiftung BSW als Gruppe beitraten (www.eisenbahnfreunde-ffo.de). Wie groß war die Überraschung, als sich die Gruppe im Kreis der 13 anderen BSW-Gruppen Berlins vorstellten und berichteten von einer Draisine die sie suchen, die einmal in Kietz stand und dann nach der Wende verschwunden ist…
So hat sich der Kreis geschlossen. Inzwischen wird die „Oderland“ wieder von ihren Eisenbahnern, der BSW Gruppe „Traditionspflege Eisenbahnknoten Frankfurt(Oder)“ betreut und wird hoffentlich noch oft auf Ausstellungen bestaunt und auch genutzt werden. Die Frankfurter Freunde haben die Geschichte der Draisine dokumentiert.