Bahnhof Finkenheerd im Jahre 2014

Nach rund 155 Jahren der Existenz des Bahnhofes Finkenheerd  wurde dieser am 21.03.2003 in einen  Haltepunkt umgewandelt. Nachdem es dort seit 1992 keinen Güterverkehr mehr gibt, sind nun durch den  Bau der Oder-Lausitz-Straße fast alle Anlagen  verschwunden. Für den Reiseverkehr reicht ein Haltepunkt. Das ist Grund genug, die Geschichte der »Bahnstation Finkenheerd« in Erinnerung zu rufen. 

Streckenverlauf bereitet Schwierigkeiten

Nach teilweise komplizierten Bauarbeiten zwischen Frankfurt (Oder) und Finkenheerd, mit der Überschreitung des Friedrich-Wilhelm-Kanals und dem Neuzeller Bruch wurde am 1. September 1846 die Direktverbindung Berlin-Frankfurt-Breslau durch die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahngesellschaft in Betrieb genommen. Zuvor hatte sie mit Wirkung vom 1. August 1845 die bis dahin selbständige Berlin-Frankfurter Bahn erworben. Um die schwierigen Geländeverhältnisse bei Rosengarten sowie zwischen Frankfurt und Finkenheerd möglichst zu vermeiden, sollte die Strecke nach der Untersuchung mehrerer Varianten nicht von Frankfurt, sondern bereits von Briesen in südlicher Richtung »über Müllrose und bei dem Politzer See vorbei nach Krebsjauche« (Wiesenau) weitergeführt werden. Damit hätte Finkenheerd, zumindest in diesem Zusammenhang, keinen Eisenbahnanschluß erhalten. Doch die Frankfurter wehrten sich gegen die Umgehung ihrer Stadt. Sie waren sogar bereit die vom Preußischen König festgelegte Summe von 50 000 Thaler an die Eisenbahngesellschaft zu zahlen.Auf Grund hoher finanzieller Belastungen hatte der preußische Staat die Zinsgarantie für das Eisenbahnunternehmen übernommen. Als in den ersten drei Jahren die Betriebsergebnisse unbefriedigend ausfielen, mußte der Fiskus zahlen. Die Konsequenz daraus war, das er von seinem Recht der Übernahme der Verwaltung und des Betriebes der Bahn Gebrauch machte: Am 1. Januar 1852 ging die Bahn, obwohl sie ab 1851 schwarze Zahlen schrieb, durch Kauf in preußischen Staatsbesitz über. Ab 21. August 1852 wurde die »Königliche Direction der Niederschlesisch-Märkischen Bahn« mit Sitz in Berlin eingerichtet. In einem »Bericht über die Eröffnung der Berlin-Breslauer Eisenbahn« heißt es zum neuen Streckenabschnitt bei Frankfurt: »Unmittelbar nachdem man aus dem Frankfurter Bahnhof heraus fährt, gewinnt man sogleich eine herrliche Aussicht auf die Oder und das Oderthal, indem man an der sogenannten ›Steilen Wand‹ auf jenem mit großen Bauschwierigkeiten verbunden gewesenen aufgeschütteten Damm vorüberfahrend, unter sich Häuser, Land- und Wasserstraßen, und neben sich ziemlich hohe Bergrücken hat, die man in dieser Gegend zu sehen kaum erwartete. Man kommt dabei unter Anderem auch über den Müllroser Kanal (Friedrich-Wilhelm Kanal d. V.) der hier in der Nähe die Oder aufsucht, um sie bei Fürstenwalde mit der Spree zu verbinden, und die aus Berlin nach Breslau gehenden Oderschiffe segeln unter der Eisenbahn hindurch. Nicht weit vom Kanal ist für die Bahn eine Cokesbrennerei angelegt, die wohl das ausgedehnteste Gebäude dieser Art ist, das in unseren Gegenden sich befindet. Finkenheerd war auf der Strecke von Frankfurt nach Guben der erste Bahnhof. Dazwischen gab es von 1846 bis 1948 in km 96,6 (heute etwa km 85,4) den Haltepunkt Buschmühle, einen sehr beliebten Ausflugsort der Frankfurter. Zwischen Frankfurt und Finkenheerd waren 1857 bereits 15 »Glockenapparate« (Läutewerke, mit denen die Wärterposten an der Strecke verständigt wurden) vorhanden. Bis 1860 erfolgte der zweigleisige Ausbau. Zur Erhöhung der Durchlaßfähigkeit zwischen Frankfurt und Finkenheerd wurde 1919 in km 86,81 »ein Güterzugüberholungsgleis für beide Richtungen (Bahnhof Lossow) hergestellt«.Man kann davon ausgehen, dass das Bahnhofsgebäude und die Güterabfertigung (Fachwerkbau) seit Bestehen des Bahnhofes Finkenheerd (1846) vorhanden sind. Die mechanischen Stellwerke Fih (B1) und Fnt (W2) sind nach der Jahrhundertwende entstanden. 

 

Entwicklung Reiseverkehr

Welchen Umfang der Personenverkehr bereits im 19. Jahrhundert auf der Strecke zwischen Frankfurt und Fürstenberg erreichte zeigt die folgende Aufstellung aus dem »Verwaltungsbericht der Königlich Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn« über die Anzahl der verkauften Fahrkarten im Jahre 1867:

 

Strecke Retoure Billets
gewöhnliche Billets
von Finkenheerd nach Frankfurt (Oder)
1037
16845
von Frankfurt (Oder) nach Finkeheerd
-----
15840
Fürstenberg nach Frankfurt (Oder)
0708
..9183
von Frankfurt (Oder) nach Fürstenberg
-----
..8517

 

Kritisch wurde von der »Handelskammer zu Frankfurt a/O« bewertet, daß zu dieser Zeit keine Retourbillets von Frankfurt nach Finkenheerd bzw. Fürstenberg angeboten wurden.  

 

Übersicht Reisezugverkehr und Zughalte

Fahrplan ab

Zahl der Reisezüge
in beiden Richtungen

Finkenheerd
Kraftwerk Finkenheerd
ab Sommer 1950
01.05.1869
12
8
 
15.10.1882
16
12
 
15.05.1930
39
22
 
22.05.1937
45
24
 
04.11.1946
16
16
 
28.05.1978
44
31
29
28.05.2000
70
38
38
28.05.2014
41
41
41
Anmerkung:    Ab 04.11.1946 verkehrten die Züge teilweise nur zwischen
Finkenheerd und Fürstenberg, Fürstenberg und Neuzelle sowie Frankfurt und Finkenheerd.


Reisendenzahlen Bahnhof Finkenheerd

Jahr
Einsteiger
Aussteiger
2003
164
164
2004
247
247
2005
107
107
2006
118
118
2007
099
101
2008
091
082
2009
081
102
2010
089
098
2011
085
086
2012
075
070
2013
090
094

 

 

Die Grube Finkenheerd belebte den Güterverkehr

 

Am Ende des 19. Jahrhunderts bestanden in Brieskow-Finkenheerd einige kleine Industrieunternehmen wie die Obstwerke, die Baufirma Mann, die Kalkbrennerei Ottomar Roth, eine Glashütte und die Schwellentränke. Daraus resultierte ein bescheidener Güterverkehr. Für die Bedienung der Anschlüsse und Rangierarbeiten stand dem Bahnhof Finkenheerd (Lt. Bahnhofsverzeichnis 1944: Bahnhof II. Klasse mit der Lochkartennummer 25 200) in den 30er Jahren eine Lokomotive der Baureihe 89 zur Verfügung. Erheblichen Einfluß auf die Entwicklung des Güter- und Berufsverkehrs hatte die Kohleförderung ab 1908 sowie der Bau und die Inbetriebnahme des Kraftwerkes Finkenheerd ab 1921. Als Tochtergesellschaft einer Berliner Aktiengesellschaft, die 1873 die Grube Vaterland westlich von Frankfurt übernommen hatte, wurde 1907 die Frankfurt-Finkenheerder-Braunkohlen-A.G. ins Leben gerufen. In der Broschüre »40 Jahre Kraftwerk Finkenheerd« wird dazu ausgeführt: »1906 begann mit einer Belegschaft von zwölf Mann das Abteufen des ersten Schachtes. Dieser, der ›Hedwigs-Schacht‹, westlich des Dorfes Brieskow am Wege Brieskow-Schlaubehammer gelegen, kam im Herbst 1908 in Betrieb. ... Zwei Kilometer südlich von dem 1907 aufgeschlossenen Tiefbauschacht ›Margarete‹ begann man 1908 auch mit dem Bau einer Brikettfabrik. Eine Drahtseilbahn (Hängebahn) verband Grube und Brikettfabrik, ein Grubenanschlussgleis zwischen Brikettfabrik und Bahnhof Finkenheerd wurde gelegt und der Hafen mit dem Kanal verbunden.« Auf Grund der unregelmäßigen Lage der Kohle mußte in den ersten Jahren ein großer Teil im Tiefbau gewonnen werden, später wurden Großgeräte im Tagebau eingesetzt, um den stetig steigenden Kohlenbedarf des Kraftwerkes zu decken. Die Kohle wurde sowohl als Rohkohle als auch in Form von Briketts für die Industrie und den Hausbrand verwendet. Die Brikettfabrik produzierte bis nach 1945. Neben den bereits genannten, gab es die Schächte: Katja, Karl, Georg, Wilhelm, Heinrich, Kurt sowie die drei Tagebaue: Wilhelm II (Kohleförderung von 1909 bis 1944), Katja (1930 bis 1948) und Helene (1943 bis 1958) die in Ostwest-Richtung hintereinander lagen. Aus dem zuletzt genannten Tagebau entstand ab 1960 der Helenesee. Der Tiefbaubetrieb endete am 30. Juni 1959. Die Grube verfügte 1946 über eine 9,55 km langenormalspurige Bahnanlage sowie über 30,69 km festverlegter Strecken mit einer Spurweite von 900 mm. Als Antriebsenergie für den elektrischen Grubenbahnbetrieb ab 1928 diente 1200 Volt Gleichstrom. 


Die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg: Zeitweiser Inselbetrieb zwischen Fürstenberg und Finkenheerd war 1945 notwendig, weil in Richtung Frankfurt ein Gleis zum Abtransport demontierter Anlagen von der sowjetischen Armee auf Breitspur umgenagelt und das zweite Gleis als Reparationsleistung demontiert war. Hinter Fürstenberg war in km 107,02 die Kanalbrücke gesprengt. Dazu notierte der Fürstenberger Lokführer Erich Lange (1910 – 1995): »Nach Räumung des Minenfeldes bei Vogelsang setzten wir die dortige Grubenlok der Baureihe 89 in Betrieb. Wir fuhren dann täglich die Grubenarbeiter von Fürstenberg (Oder) und Vogelsang nach Finkenheerd. Später wurde auf Drängen der Zentralwerkstatt der Grube eine auf dem Bahnhof Finkenheerd abgestellte Reichsbahnlokomotive der Baureihe 91 nach einer Kesseldruckprobe in Betrieb gesetzt und gegen die 89er ausgetauscht «Zur Verbesserung des Berufsverkehrs wurden 1948 in Güldendorf (km 83,80) und 1950 am Kraftwerk Finkenheerd (km 90,05) je ein Haltepunkt eingerichtet. Der Haltepunkt Kraftwerk Finkenheerd wurde 2012 modernisiert und der Haltepunkt Güldendorf wurde am 27.05.1995 geschlossen. Der Haltepunkt Buschmühle wurde 1948 aufgehoben. In den 80er Jahren sorgten durchschnittlich 46 Beschäftigte für die Erledigung aller Aufgaben im Rangier- und Stellwerksdienst, in der Fahrkartenausgabe und Güterabfertigung sowie in der Verwaltung und der Wartung der Anlagen. Selbst die Besetzung der beiden Stellwerke in Lossow erfolgte vom Bahnhof Finkenheerd. Eisenbahnwohnhäuser befanden sich an der Straße nach Lindow.Für die Durchführung der Rangierarbeiten stand eine Kleinlokomotive (Kö) vom Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) Personenbahnhof zur Verfügung. Der Kleinlokbediener war nicht nur für sein Fahrzeug zuständig. In ordentlicher Dienstkleidung stand er zu bestimmten Zeiten am Tunneleingang und lochte die Fahrkarten bzw. sammelte sie wieder ein. Seit dem 1. September 1957 kamen für das Kraftwerk Finkenheerd täglich bis zu fünf Pendelzüge (Zug Nr. 57 240, 42, 44, 46, 48) aus dem Lausitzer Raum mit 30 bis 35 Selbstentladewagen (50 t) der Gattung OOt (spätere Bezeichnung Fad). Die maximale Anfuhr betrug 7000 Tonnen/Tag. Die Züge wurden im Anschlußbahnhof des Werkes durch die DR bereitgestellt. Dort erfolgte die Trennung in Gruppen von 8 bis 10 Wagen und der Transport zur Entladestelle. Im Winterbetrieb bei Frost gab es mitunter Probleme. Es standen zwei, ab 1979 drei, 135 Meter lange Auftauhallen zum Abtauen der beim Transport angefrorenen Rohbraunkohle im Kraftwerk zur Verfügung. Doch wenn diese nicht sachgemäß bedient wurden und zu hohe Temperaturen entstanden, gab es anschließend Bremsstörungen. Nach Zeitzeugenberichten gab es solche Vorfälle im Winter 1963/64 und 1978/79. Das Fett aus den Bremsarmaturen war teilweise ausgelaufen. Erheblicher Aufwand war notwendig, um den Schaden zu beheben. Betriebswichtige Weichen des Bahnhofs wurden mit Dampfheizungen versehen, die zunächst von einer Lok der Baureihe 52, später vom Kraftwerk gespeist wurden.Im September 1983 ereignete sich auf den Anschlußgleisen des Kraftwerkes ein folgenschwerer Bahnbetriebsunfall an der Grubenwegbrücke mit einer beladenen Gruppe OOt-Wagen (siehe Foto). Auf der freien Strecke südlich von Finkenheerd (km 92,75) war aus strategischen Gründen von 1973 bis Juli 1998 ein Abzweig in Richtung Oder für eine Brückendoublierung vorhanden. Bei einer kriegsbedingten Zerstörung der Frankfurter Eisenbahnoderbrücke sollte hier kurzfristig Ersatz geschaffen werden. Die Stahlteile für den westlichen Teil der Behelfsbrücke mit der Bezeichnung REM 500 lagerten auf dem Bahnsteig in Ziltendorf. Der Anschluß auf der polnischen Seite sollte an die ehemalige Weststernberger Kreiskleinbahn bei Kunice (Kunitz) erfolgen.Im Zusammenhang mit der Streckenelektrifizierung und der dazu notwendigen Profilfreimachung wurden die Widerlager der ehemaligen Grubenbahn (km 90,35) beseitigt und die Überführungen Grubenweg (km 90,41) und Bahnhofstraße (km 91,03) erneuert. Der Hubschraubereinsatz für die Montage der Fahrleitungen erfolgte vom 10. bis 15. Oktober 1989. Am 15. Dezember 1990 fuhr der erste elektrisch betriebene Zug durch den Bahnhof Finkenheerd.

 

 

Leistungen Güterverkehr von 1985
Versand Binnenverkehr 3 937 Wagen  + 19,8 % zum Vorjahr
Empfang Binnenverkehr 4 993 Wagen  + 17,4 % zum Vorjahr
Versand  internationaler Verkehr 0 985  Wagen
Empfang internationaler Verkehr 0 035  Wagen

 

 

Kraftwerk Finkenheerd

Schon 1909 gab es in der Finkenheerder Braunkohlen A.G. Vorstellungen durch Verwertung der Kohle zur Erzeugung von Elektroenergie den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Doch erst im September 1921 wurde mit dem Aufbau eines Kraftwerkes begonnen. Der Probebetrieb mit der ersten Ausbaustufe (zwei Maschinen) begann im Juli 1923.Der Transport der Kohle von der Grube zum Kraftwerk erfolgte zunächst mit Selbstentladewagen von 20 bis 22 Tonnen und später 50 Tonnen Fassungsvermögen auf einer normalspurigen Verbindungsbahn. Dazu standen anfangs zwei Dampflokomotiven zur Verfügung. Mit der Einführung des elektrischen Betriebes kamen drei E-Lokomotiven in den Jahren 1928, 1936 und 1965 sowie 1961 eine feuerlose Lokomotive zum Einsatz. Die Anlagen und Fahrzeuge waren so gestaltet, das sie bei Störungen des Grubenbetriebes für den Antransport von Kohle aus fremden Gruben hätten eingesetzt werden können. Die Gleisführung zum Kraftwerk erforderte den Bau einer Eisenbahnbrücke zur Überquerung der Bahnlinie Frankfurt-Fürstenberg in km 90,35. 1945 wurden die leistungsfähigsten Maschinenanlagen 5 bis 8 demontiert und auf Breitspurfahrzeugen abtransportiert. Drei Anlagen waren im Oktober 1945 wieder am Netz.Zur Vorbereitung der Fernbekohlung ab 1. September 1957 erfolgte 1956/1957 der Umbau der Gleisanlagen. Östlich des Bahnhofes entstanden drei Übergabegleise sowie eine eingleisige Verbindung mit Signalanlagen und Oberleitung und auf dem Werkgelände ein Wiegehaus mit integriertem Stellwerk. Der weite Transportweg der Kohle machte für den Winterbetrieb die Errichtung einer 135 Meter langen Auftauhalle für zwei Gleise (Auftauzeit etwa 20 bis 40 Minuten) notwendig. Die Verbindung vom Kraftwerk zur Grube war nicht mehr erforderlich. Der Überbau der Brücke über die Reichsbahnstrecke wurde demontiert. Den Zubringerbetrieb übernahmen Dampf- bzw. E-Lokomotiven. Zum Transport der Kohle wurden 130 Stück OOt-Wagen Bauart Gotha angeschafft, die später der Deutschen Reichsbahn übergeben wurden. Wegen des erforderlichen Einsatzes von Eisenbahndrehkränen erfolgte 1962 eine Umrüstung der Anschluß- und Werkgleise von Oberleitung auf Stromschiene. Zur Vermeidung von Unregelmäßigkeiten bei der Kohleversorgung wurde 1972/73 östlich der Übergabegleise am Bahnhof Finkenheerd ein Kohlenlagerplatz für 65 000 Tonnen Rohbraunkohle errichtet, mit einem Portalkran ausgestattet und am 20.12.1973 in Betrieb genommen. Ab Oktober 1973 begann die Lieferung von Fernwärme für die Stadt Frankfurt (Oder) und es kam 1978 zur Umbenennung in Heizkraftwerk Finkenheerd (HKW).Eine generelle Umstellung des E-Lokbetriebes auf Dieselbetrieb mit drei Lokomotiven der Baureihe 105/106 erfolgte1975. Ab April 1977 wurde nur noch Kohle aus dem Tagebau Jänschwalde geliefert. Die Ausrüstung der Anschlußbahn mit Weichenheizungen 1978 und die Errichtung einer Auftauhalle für ein drittes Gleis 1979 brachte mehr Sicherheit im Winterbetrieb. Mit der Inbetriebnahme eines modernen Heizkraftwerkes mit Braunkohlestaubfeuerung 1992 in Frankfurt (Oder) kam das Aus für Finkenheerd. Auch die Eisenbahn war aus dem Geschäft. Obwohl die Strecke Frankfurt-Grunow direkt am Heizwerk vorbeiläuft, wird die Kohle (im Sommer ca. 175 und im Winter 250 bis 300 Tonnen täglich) mit Lkw angeliefert. Im August 1992 endete die Kohlelieferung für das HKW und damit der Güterverkehr auf dem Bahnhof Finkenheerd. Der Abriß des Heizwerkes Finkenheerd erfolgte von 1996 bis 1989, dabei die Sprengung der letzten beiden Schornsteine im Rahmen der Sendung »Wetten, daß...?« am 10. Oktober 1998. Die Gleise im Werk wurden 1998 und die der Anschlußbahn 2000 demontiert. Selbst die Stellwerke auf Bahnhof Lossow waren nicht mehr erforderlich und wurden im September 2000 beseitigt.

 Übersicht Anschließer

Anschließer Bahnhof Finkenheerd Be- und Entladung in den 70er und 80er Jahren monatlich ca. Besonderheiten
Grube Finkenheerd 1908-1959, die Zentralwerkstatt der Grube firmierte danach als »Kranbau Eberswalde, Betriebsteil Finkenheerd«

 

Beladung 120 Wagen (90 Export)Entladung 65 Wagen

 

Kraftwerk Finkenheerd 1921-1992 bis maximal 7 000 Tonnen täglich vor 1958 auf Gleisanlagen der Grube
Betonwerk, etwa 1990 Märkische Betonfertigteile GmbH Beladung 65 Wagen (Betonteile)Entladung 35 Wagen (Zement, Kies) Zuführung mit Kö wegen Steigung, Radius und Überweg kompliziert
Marmeladenfabrik, ab 1947 Obstwerke, etwa 1990 Oderfrucht Konserven GmbH Beladung 55 WagenEntladung 65 Wagen Zuführung über zwei ungesicherte Wegübergänge
Baubetrieb Firma Mann, später VEB Beladung 8 Wagen über Gleisanschluß Obstwerke
Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG), Raiffeisen Bank und Handelsgesellschaft Entladung 135 Wagen,Beladung mit Zuckerrüben während der Saison 10 000 bis 12 000 Tonnen pro Jahr Abfuhr mit Ganzzügen vom Bahnhof Finkenheerd zu den Zuckerfabriken nach Letschin und Thöringswerder
Nach Informationen von Helmut Großmann, Leiter des Bahnhofs Finkenheerd von 1976 bis 1983 

 

 

 

 

 

Die Oder-Lausitz-Straße (OLS)
Die OLS wird aus Richtung Frankfurt (Oder) bei Brieskow-Finkenheerd westlich der Gleisanlagen parallel zu den durchgehenden Streckengleisen über das ehemalige Bahnhofsgelände geführt, besondere Brücken über den Kanal und der Landesstraße L373 nach Groß Lindow wurden gebaut. Die Dämme werden mit denen der Eisenbahn nicht verzahnt. Verknüpfungspunkte mit den untergeordneten Straßen sind nördlich von Brieskow-Finkenheerd sowie zwischen Brieskow-Finkenheerd und Wiesenau im Bereich des ehemaligen Gleises zur Oder (Brückendoublierung) eingerichtet worden. Die Grubenwegbrücke bleibt erhalten, bekommt aber keine Bezugspunkte zur OLS. Die Bahnhofstraße mit der Überführung der beiden Streckengleise wird auch über die neue Kraftfahrstraße (gesperrt für langsame Verkehre) weitergeführt. Vom Bahnhof Finkenheerd bleiben nur noch die durchgehenden Hauptgleise und das Empfangsgebäude erhalten. Die Bahnhofsgleise und das Stellwerk Fih sind bereits zurückgebaut.  

Autoren: Lothar Meyer / Detlef Malzahn

 

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