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Die Geschichte vom Hampelmann

"Flache Gliederpuppe, deren Arme und Beine mit Hilfe von Fäden oder Bändern bewegt werden können." So steht es im Brockhaus unter dem Stichwort "Hampelmann". Kennt jeder von uns. Ich will aber hier kein Beitrag über Kinderspielzeug abliefern. Nein, nein, es geht um Eisenbahn. Hampelmänner bei der Bahn? Bitte nicht persönlich nehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr seid gar nicht gemeint! Es geht vielmehr um ein Stück Technik und ein Stück Eisenbahngeschichte. Aber der Reihe nach.
Der Regionalexpress nach Berlin fährt 10 Uhr soundsoviel  von Gleis 9 in Frankfurt ab, so der Aushangfahrplan. Also rauf auf den Bahnsteig. Unter dem Dach hängt ein unübersehbarer Kasten, auf dem in schöner Schrift verkündet wird, das der Re tatsächlich von Gleis 9 zur angegebenen Zeit fährt. Kurz vor Abfahrt des Zuges kommt dann in der Regel auch noch eine Lautsprecherdurchsage.
Solche ausführlichen Auskünfte bekamen die Fahrgäste in der Frühzeit der Eisenbahn nicht. Verschiedene Glockenschläge informierten die Reisenden darüber, was er zu tun (oder zu lassen) hatte, bis er vom Bahnpersonal entsprechend seiner Fahrkarte einen Platz im Zug zugewiesen bekam.
Das ging solange gut, wie die Eisenbahnfahrten etwas einzigartiges war. Als die Bahn jedoch Massenverkehrsmittel wurde, musste man auf derartige persönliche Dienstleistungen verzichten. Wichtig war nun, dass Geräte entwickelt wurden, die über den Zuglauf aus einem bestimmten Gleis und eventuell auch noch über die Abfahrzeit informierte. Das war die Geburtsstunde der "Hampelmänner".
Der Eisenbahner hatte natürlich ein anderes Vokabel für das besagte Instrument, er nannte es "Zugzielanzeiger"; der Volksmund taufte es wegen der großen Ähnlichkeit in der Handhabung aber nach dem Kinderspielzeug.
 Zugzielanzeiger gab es in ganz verschiedenen Ausführungen, je nachdem, welche Anforderungen ein Bahnhof an sie stellte. Es gab gewaltige, kunstvoll gefertigte Apparate und ganz schlichte Geräte, die aber alle nach dem gleichen Prinzip arbeiteten: Über eine Zugstange wurde ein verdeckt stehendes oder hängendes Schild mit der Aufschrift des Zielbahnhofs waagerecht sichtbar ausgeklappt. Auch andere Informationen waren möglich, z.B. "Sonderzug", "nicht einsteigen" u.ä., sofern ein eigenes Schild dafür vorhanden war.
Zugzielanzeiger dieser Art waren seit dem 19. Jhd. in Gebrauch und sind es zum Teil heute noch (man muss aber schon lange suchen). "Einheitsbauarten" gab es wohl nicht, vielmehr wurden die Geräte entweder in bahneigenen Werkstätten oder beim örtlichen Klempnermeister bestellt.

 

 

 

 

 

   

Verfasser: H-W Harden