Kraftwagenbetriebswerk (Kbw)

 

Gegründet wurde das Kbw Frankfurt (Oder) 1933 als Nebenstelle des Bahnbetriebswerkes Frankfurt (Oder) Personenbahnhof. Untergebracht war es zuerst in der Osthalle. Der Fahrzeugpark bestand aus etwa 20 Lastkraftwagen mit Ottomotor, geländegängige dreiachsige 2 t Mercedes-Lkw und 3 t Hentschel-Lkw mit Spillvorrichtung. Die Fahrzeuge wurden überwiegend bei Güterabfertigungen im Bezirk der Rbd Osten eingesetzt. 1935 erfolgte ein Austausch gegen Diesel-Lkw Mercedes mit 5 Tonnen Tragkraft. Sie wurden entweder mit einem 10 t Anhänger oder zwei 5 t Anhänger eingesetzt. Ein neues Verwaltungsgebäude mit Wasch- und Umkleideräumen und einem Unterrichtsraum wurde 1936 bezogen. 1937 kamen zwei weitere Gebäude (ab 1948 Lehrwerkstatt, jetzt Bildungszentrum Frankfurt GmbH) mit Garagen und Sozialeinrichtungen dazu. Als Reparatur- und Abstellhalle wurde ein Gebäude der früheren Hauptwerkstatt genutzt. Das Kbw war zuständig für die Instandsetzung aller im Reichsbahndirektionsbezirk Osten befindlichen Kraftfahrzeuge und Anhänger der Reichsbahn, des Schienenautos für Kontrollfahrten der Rbd und aller im Bezirk vorhandenen Gleiskrafträder. Jede Bahnmeisterei besaß ein Gleiskraftrad. Weitere Fahrzeuge, nun auch von Büssing und MAN, kamen in den Jahren 1937/38 hinzu. Der Einsatz der Lkw (sie waren alle mit Fahrtenschreibern ausgerüstet) und Anhänger geschah durch die "Kraftverkehrsstelle“ mit Sitz im Gebäude des Verkehrsamtes in der Briesener Straße 5 (erstes Frankfurter Empfangsgebäude). Ein Mercedes Kraftomnibus mit Anhänger war auf der Linie Crossen – Grünberg eingesetzt und zwei Lastzüge liefen ständig für die Frankfurter Molkerei-Genossenschaft. 1940 mussten etwa 15 Lastzüge (5 t Lkw mit Anhänger), besetzt mit zwei Kraftfahrern, an die Wehrmacht abgegeben werden. Zur gleichen Zeit begann der Umbau der Fahrzeuge auf Generatorgas. Alle bekamen eine Holzgasgeneratoranlage, die Pkw wurden mit Steinkohlegeneratoren ausgerüstet. Zwei 6 t Lkw von Vomag mit Differenzialsperre, einige 5 t Lkw von Saurer und französische 2 t Lkw Peugeot besserten den Fahrzeugpark 1941 wieder auf.

Im Februar 1945 wurde das Kbw evakuiert. Die einsatzfähigen Fahrzeuge kamen nach Hannover und die nicht einsatzfähigen (mehrere Pkw und Lkw sowie 2 Kraftomnibusse vom Typ Mercedes und Opel) sowie die Werkstatteinrichtung einschließlich der Werkzeugmaschinen wurden zum Raw Dessau gebracht.

Der Anfang nach dem Kriege war schwer. Fritz Lojak, Meister der Außenstelle des Kbw bis 1968, erinnert sich: „Ein Gebäude des Kbw, parallel zur heutigen Sporthalle, in dem das Reifen- und Ersatzteillager und die Reparaturwerkstatt für die Gleiskrafträder untergebracht waren, lag in Trümmern. Ein breiter Weg ist nach der Beräumung dort entstanden. Vom einstigen Fahrzeugbestand war nichts mehr vorhanden. Die Belegschaft war zerstreut und zumeist mit den einsatzfähigen Fahrzeugen im Westen geblieben und die Räume des Kbw wurden von der sowjetischen Armee genutzt.“

Im Juli 1945 kehrte nach kurzer Gefangenschaft Georg Lehmann zurück und meldete sich beim Reichsbahnamt. Da er schon als Autoschlosser und Fahrlehrer gearbeitet hatte, bekam er den Auftrag aus Wracks einen Pkw zusammen zustellen, damit die Bereisung der zerstörten Strecken erfolgen konnte. Auf diesem Weg entstanden dann sogar drei brauchbare Pkw. Lehmann war offensichtlich in dieser Zeit als Leiter eingesetzt. Im Januar 1946 hatte das Reichsbahnamt für ihn auf Grund besondere Leistungen einen  Antrag auf die entsprechende Gehaltsgruppe gestellt.

Im September 1945 wurde festgelegt, die im Raw Dessau befindlichen schadhaften Fahrzeuge instand zu setzen. Vier Handwerker begaben sich nach Dessau und kehrten trotz großer Ersatzteilprobleme mit den reparierten Fahrzeugen und den Ausrüstungsgegenständen der Werkstatt im Dezember wieder zurück. Im Dezember 1945 konnten die letzten instand gesetzten Fahrzeuge in die inzwischen von den sowjetischen Streitkräften freigemachten Räume des Kbw wieder einziehen.

Das Kbw wurde 1946 wieder Nebenstelle des Bw Pbf. Der Chef war von nun an ein Meister.

An Fahrzeugen waren zunächst vorhanden: ein 5 t Mercedes, ein 5 t Saurer mit Holzgasgeneratoranlage, ein 1 t und ein 3 t Opel-Lkw, ein Mercedes und ein Opel-KOM. Die beiden KOM wurden in den Jahren 1946 bis 1948 im Oderbruch für den Schienenersatzverkehr eingesetzt und 1950 bzw. 1958 an das Kbw Berlin-Pankow abgegeben. Beim Wiederaufbau der Strecke nach Kietz kamen Lkw für den Transport der Arbeitskräfte zum Einsatz. Es wurde viel improvisiert: Um den Saurer-Lkw einsetzen zu können, musste für einige Zeit die Hinterachse mit Vollgummireifen versehen werden. Aus einem Pkw-Wrack entstand ein Schienenauto, das beim Reichsbahnamt dringend benötigt wurde. 1949 wurde das Kbw Außenstelle des Kbw Berlin-Pankow. An Fahrzeugen kamen dazu: ein 3 t Lkw Büssing, 1953 ein neuer 2 t Lkw Granit und 1956 ein 3 t H3a. 1956 wurden die Bahnmeistereien mit den ersten 5 Tonnen schweren Kraftrottenwagen beliefert. Die Außenstelle übernahm die Instandsetzung. Ab 1962 wurden ein Lkw Robur und ein Lkw W 50 und 1966 ein Autodrehkran (ADK) geliefert. Der letzte Einsatz des Schienenautos ist für 1967 registriert. Bis 1975 waren auch Kfz der Trapo im Gebäude des Kbw stationiert. Bis zu diesem Zeitpunkt kamen diese unter anderem bei Bedarf für die Kampfgruppe der DR zum Einsatz. In den folgenden Jahren wurde der Fahrzeugpark (Mitte der achtziger Jahre etwa 35 Kfz) ständig erneuert und vergrößert. Für die Erledigung der Aufgaben standen Anfang 1980 23 Beschäftigte zur Verfügung.

 

Mit den veränderten Bedingungen nach 1989 wurden die Aufgaben ständig geringer. Ab 1. Januar 1993 wurde das Frankfurter Kbw dem Frankfurter Bw zugeordnet und am 1. September 1997 aufgelöst.

Die Gebäude und Anlagen des Kbw und der Lehrwerkstatt sind seit Ende 1998 an das „bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH“ verpachtet und das gesamte Inventar verkauft.

 

Als Meister der Außenstelle waren eingesetzt:

 

Fritz Lojak  1946 bis 1968

Hendrick Lehmann 1968 bis 1997

 

 

Autor Lothar Meyer