Kinderferienlager der Reichsbahndienststellen in Frankfurt (Oder) (Fko)

Besonders die großen Dienststellen, wie das Reichsbahnamt (Rba), die Bahnbetriebswerke Personenbahnhof (Bw Pbf) und Verschiebebahnhof (Bw Vbf) hatten Anfang der 1950er Jahre die Aufgabe für die Kinder ihrer Betriebsangehörigen Kinderferienlager einzurichten. Anfangs geschah das mit einfachen und geringen Mitteln, doch im Laufe der Zeit vergrößerte sich der Einsatz. Viele Eisenbahner halfen sogar in ihrer Freizeit mit, um diese wichtige jugendpolitische Maßnahme zu erfüllen. Es lohnte sich, für einen Aufenthalt von 14 Tagen brauchten die Eltern pro Kind nur etwa 20 Mark bezahlen. Viele Kinder der DDR haben das Leben in den Ferienlagern kennen und schätzen gelernt. Der politische Einfluss war gering und das „frohe Jugendleben“ konnte sich gut entfalten. Es gab Sportveranstaltungen, Ausflüge, Neptunfeste, Nachtwanderungen, Disco, neue Bekanntschaften und manchmal auch die erste Liebe. Viele Teilnehmer schwärmen heute noch, wenn sie daran erinnert werden. Sicher auch, weil sie damals jung waren. Aus Berichten im Internet kann man entnehmen: „Am schlimmsten war immer der Abschied“.
In der Regel wurden in den Sommerferien zwei Durchgänge für die Kinder gestaltet. Zwischenzeitlich erfolgte die Auslastung der Anlagen auch für andere Zwecke: Naherholung, Lehrgänge, Versammlungen.
Aus eigenem Erleben und Berichten von Zeitzeugen ergibt sich folgender Überblick, der überwiegend durch Fotos belegt ist.
Weitere Informationen, Zeitzeugenberichte oder Illustrationen nehmen wir dankbar entgegen.

Lothar Meyer, Detlef Malzahn


Übersicht der Kinderferienlager, die durch Frankfurter Dienststellen genutzt wurden

Ort

Bezeichnung

Zuständige Dienststelle

Zeitraum

Bemerkung

0Petersdorf    Bw Pbf und Bw Vbf  1951 bis 1952  
0Klein Wall    Rba  1953 bis 1954  
0Bad Saarow  Kinderferienlager  Rba  1954  
0Grünheide  Am Sprudel  Bw Pbf und Bw Vbf  1956 bis 1959  Abgabe an JP Fürstenwalde, bis 1966 Mitnutzer
0Chorin    Rba  1952 bis 1989  Polnische Kinder, ab 1974 Kinder aus Brjansk
  Storkow Wolfswinkel  Ernst Thälmann  Sfm Fko, Ende 60er Jahre Sfm Swv  50er Jahre, 1989  Vergabe der Plätze durch Rbd Verw. SF

 

 

Kinderferienlager Petersdorf

   

Kinderferienlager Klein Wall

Kinderferienlager Bad Saarow

Kinderferienlager Grünheide
Zuständig für den Aufbau und Betrieb des Lagers waren beide Frankfurter  Bahnbetriebswerke
. Es musste 1959 an die Pionierorganisation Fürstenwalde zur Einrichtung einer Touristenstation abgegeben werden. Bis 1966 gab es jedoch für die beiden Dienststellen die Möglichkeit die Kinderferienlager weiter durchzuführen. 

Kinderferienlager Chorin
9 Fotos von Kindern aus Brjansk (БРЯНСК  Брянск)  

Das Lager für die B+V Dienststellen im Amtsbezirk entstand 1952 unter der Leitung des Rba Fko. Mitunter wurden in einem Durchgang bis zu 140 Kinder untergebracht. Zeitzeugen berichten, dass dort zeitweilig auch polnische Kinder anwesend waren. Nach der Kontaktaufnahme mit den Eisenbahnern in Brjansk in der Sowjetunion und dem Austausch von Delegationen (A  + B) erfolgte ab 1974 ein gegenseitiger Austausch von Kindergruppen. Jährlich kamen 20 Kinder aus Brjansk nach Chorin und 2o Kinder aus dem Frankfurter Amtsbezirk verbrachten ihre Ferien im Lager Bioskaja, 20 km von Brjansk entfernt. Beim Durchgang 1974 kamen einen Tag vor ihrer Heimreise die sowjetischen Kinder zu Gasteltern (A + B) nach Frankfurt (Oder).

                                                             

                                        

                                    

           

Kinderferienlager Storkow Wolfswinkel

Für den Lagerbetrieb in Wolfswinkel waren ab der 50er Jahre die Signal- und Fernmelde Meisterei (Sfm) Fko und ab Ende der 60er Jahre die Sfm Schöneweide zuständig. Zunächst gab es nur eine Baracke, später entstanden  zusätzliche Bungalows. Die Belegung für die Kinderferien, Naherholung und Schulung organisierte die Verwaltung Signal- und Fernmeldewesen der Rbd Berlin.