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Reichsbahnamt (Rba) Frankfurt (Oder)

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges waren für den Knoten Frankfurt (Oder) das Betriebsamt am Bahnhofsplatz 18, das Verkehrsamt in der Briesener Straße 5 und das Maschinenamt in Guben zuständig. Nach der Besetzung der Stadt am 23. April 1945 unterlag der Eisenbahnbetrieb zunächst der absoluten Befehlsgewalt sowjetischer Militäreisenbahner. Nachdem mit Befehl Nr. 8 des Befehlshabers der Transportabteilung der Sowjetischen militärischen Administration in Deutschland (SMAD) vom 11. August 1945 »ab 1. September 1945 ... der Eisenbahnbetrieb in der sowjetischen Besatzungszone den deutschen Eisenbahnern ... übergeben« wurde, hatte die Rbd Berlin neue Verwaltungsstrukturen aufzubauen. In Frankfurt wurde mit Wirkung vom 28. Februar 1946 das Reichsbahnamt Berlin 7 mit den Gruppen Betrieb, Verkehr, Maschinendienst und Bau eingerichtet. Die Zugleitung und Teile der Verwaltung wurden in den Häusern am Kiliansberg untergebracht. Danach gab es Diensträume im reichsbahneigenen Wohnhaus Humboldstraße 16/Ecke Sophienstraße (nach Günter Maihold war dort bis etwa 1949 die Bauabteilung des Amtes untergebracht ). Ein weiterer Umzug in das ehemalige Betriebsamtsgebäude Bahnhofsplatz 18 folgte bis schließlich das frühere Hotel Mark Brandenburg, Bahnhofstraße 11, bezogen wurde.

Ab 1945 existierte im Rba Fko eine sowjetische Zugleitung, die anfangs den gesamten, also auch den deutschen, Zugverkehr regelte. Später wurden gleichrangige, durchgehend besetzte, sowjetische Kommandanturen im Rba Fko und auf dem Vbf eingerichtet, die mit dem Kürzel »Woso« bezeichnet wurden. Erstere war für die Durchführung der Truppentransporte einschließlich deren Be- und Entladung im Amtsbezirk zuständig. Ihr unterstand eine Fahrkartenausgabe für Militärangehörige im russischen Wartesaal (später Theaterbahnhof, jetzt Zugbegleitpersonal). Die Kommandantur auf dem Vbf im Verwaltungsgebäude Fgm überwachte die Weiterverfügung aller aus dem Osten kommenden bzw. dorthin verkehrenden Militärtransporte. Die Kommandantur im Reichsbahnamt wurde 1963 aufgelöst, die Aufgaben übernahm die »Woso« auf dem Rangierbahnhof. Diese beendete ihre Tätigkeit im August 1994 mit dem Abzug der GUS-Truppen aus Deutschland.

Erster Amtsvorstand war Herr Hechler.

Zum Amtsbezirk gehörten die Strecken:
Frankfurt (Oder)-Fürstenwalde (ausschließlich),
Frankfurt (Oder)-Fürstenberg, (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Grunow, (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Werbig Pbf, (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Küstrin-Kietz (ausschließlich), nur Bahndamm Frankfurt (Oder)-Landesgrenze

Eine der wichtigsten Aufgaben bestand darin, die Kriegsschäden zu beseitigen. Fast sämtliche Brücken auf den von Frankfurt ausgehenden Strecken waren zerstört bzw. beschädigt und zum großen Teil durch Behelfsbrücken ersetzt worden. Die Gleisanlagen befanden sich in einem teilweise trostlosen Zustand. Als Reparationsleistungen mussten in Etappen die zweiten Gleise der Strecken Frankfurt-Küstrin-Kietz, Frankfurt-Guben (1945) und Berlin-Kietz (1947, zum Teil als Ersatz für demontierte Gleise), die eingleisigen Strecken Grunow-Beeskow (1947) und Wriezen-Neu Rüdnitz (1946) sowie auf den Bahnhöfen Überholungs-, Kreuzungs- und Anschlussgleise demontiert und einige Jahre später wieder aufgebaut werden. Für Streckenkontrollfahrten diente ein Schienenauto.

Mit der Übernahme der Oderbruchbahn, der Kreisbahn Beeskow-Fürstenwalde und der Buckower Kleinbahn durch die Deutsche Reichsbahn im Jahre 1949 kamen auch diese Strecken zum Rba Fko. Ab 2. Oktober 1949 wurde der durchgängige Betrieb zwischen Grunow und Königs Wusterhausen und mit dem Winterfahrplan 1950 zwischen Frankfurt und Küstrin-Kietz wieder aufgenommen.

Der Amtsbezirk vergrößerte sich entsprechend und umfasste nun die Strecken:
Frankfurt (Oder)-Fürstenwalde (einschließlich),
Frankfurt (Oder)-Fürstenberg (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Grunow (einschließlich)
Grunow -Beeskow (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Werbig Pbf (einschließlich)
Frankfurt (Oder)-Küstrin-Kietz (einschließlich),
Küstrin-Kietz -Landesgrenze
Küstrin-Kietz -Straußberg (ausschließlich)
Frankfurt (Oder)-Landesgrenze
Beeskow -Fürstenwalde
Fürstenwalde -Dolgelin – Wriezen
Hasenfelde -Müncheberg
Müncheberg -Buckow.

Die Ausbildung des Nachwuchses für Leitungsaufgaben im Reichsbahnamt und in den Dienststellen erfolgte in den 50er Jahren in der Regel durch ein mehrjähriges Studium und eine folgende A-Dienstausbildung in verschiedenen Dienststellen und Lehrgängen. Größere Versammlungen und Dienstbesprechungen wurden ab 1950 im Kulturhaus Briesener Straße durchgeführt.

Mit der Neufestsetzung der Rbd-Grenzen und Reduzierung der Anzahl der Ämter ab 1. April 1955 wurden die Bereiche Maschinendienst und Bau ausgegliedert und die Strecken Werbig-Altranft, Wriezen-Neu Rüdnitz, Fürstenwalde-Fangschleuse, Beeskow-Niederlehme zugeordnet. Die neue Bezeichnung des Amtes lautete nun »Reichsbahnamt Frankfurt (Oder)«.

Am 1. Januar 1980 waren dort ohne die Betriebsschule (74 Personen für Lehrlingsausbildung, Erwachsenenbildung einschließlich technische Bereiche, UTP und Berufsberatung) 173 Mitarbeiter beschäftigt. Davon sind in der Personalliste der Dispatcherleitung für 1987 55 Personen ausgewiesen.

Der Dispatcherdienst wurde Ende 1954 eingerichtet. Die Ausbildung erfolgte in Eisenach. Vorher gab es das Zugleitungssystem im Drei-Schichten-Betrieb. Rund 20 Mitarbeiter einschließlich Dolmetscher erfüllten die Aufgaben. Max Möbus war Chef der Zugleitung.

Im Januar 1952 wurde die Politische Abteilung eingerichtet. Sie stellte im Dezember 1989 ihre Arbeit ein. Als Leiter wirkten unter anderen Hans Bethke und Wilhelm Schultze. Mit Wirkung vom 1. Januar 1992 wurde das Reichsbahnamt Frankfurt (Oder) aufgelöst und die Abteilungen Betrieb sowie Betriebsführung gebildet. Sie bestanden bis zur Übernahme der Betriebsführung durch die Deutsche Bahn AG Ende1993.

Als Amtsvorstände fungierten: Hechler, Ballert, Fritz Szczepecki (1947 – 1954), Möller, Schulz, Gaurich, Paul Gruber, Heinrich Möller (1954 – 1959), Kurt Fricke (1959 – 1968), Joachim Ludwig (1968 – 1977), Siegfried Lauterbach (1977 – 1979), Jürgen Loock 1979 – 1986), Fritz Salega (1986 – 1991).

Das Haus Bahnhofstraße 11 soll nun zu einem privaten Studentenwohnheim umgebaut werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn künftig Fotos oder auch Gegenstände in diesem Gebäude an die Geschichte des Reichsbahnamtes erinnern würden.

Übersicht der Stellwerksneubauten im Rba

Karte des Rba 1987 (Struktur ab 1955)

Struktur Rba - mit Bilder

Struktur DL von 1987 - mit Bilder

Fotos Dispatcherbrigaden:

- Brig. l 1964, - Brig. l 1970

- Brig. ll 1956

- Brig. lll 1965, - Brig. lll 1966

- Brig. lV 1965, - Brig. lV 1981

- Tag des Eisenbahners 1965

Karte Dispatcherkreise

Kenziffern Rba mit Erläuterungen zu Ursachen bei Planabweichungen

Fotos aus dem Amtsbezirk:

- Kietz 1958, -Kietz Fotozirkel

- Seelow Subbotnik, -Ziltendorf Brigade ll,

- Ehs Brigade l, - Ehs H. Hellack

- Briesen Wunsch, - Briesen 1953

- Fko Pbf Brigade ll - Buckow , -Dvst Müncheberg

Fotos Bahnhofsgebäude im Rba


Autoren: Lothar Meyer, Detlef Malzahn