Militärverkehr

Berufserinnerungen eines Lokomotivführers

Der Streckenabschnitt Kietz – Frankfurt (Oder) – Königs Wusterhausen – Mittenwalde gewann in den 60er Jahren, in der Zeit des sogenannten Kalten Krieges zunehmend an strategischer Bedeutung. Im Rahmen der Raketenaufrüstung wurden auf diesem Streckenabschnitt verstärkt Militärtransporte befördert. Ich erinnere mich, dass vor der Bespannung dieser Züge die Zuglokomotiven einer besonderen technischen Untersuchung unterzogen wurden. Desgleichen wurden diese mit Steinkohle bestückt. Die Militärzüge wurden in Kietz bespannt. Auf der Lok befand sich zusätzlich Militärwachpersonal mit Telefon. Der Fahrplan sah einen Fahrtverlauf ohne Halt von Kietz bis Beeskow vor. In Beeskow wurde Wasser nachgenommen und eine Nachschiebelok an den Zug gesetzt, welche den Zug in einer schwierigen Steigung bis Lindenberg nachgeschoben hat. Nach diesem kurzen Betriebsaufenthalt in Beeskow wurden die Züge ohne Zwischenaufenthalt bis Königs Wusterhausen oder Mittenwalde gefahren. Diese Militärzüge unterlagen einer besonderen Geheimhaltung und wurden von der Dispatcherleitung überwacht. Sie wurden überwiegend nachts gefahren. Jegliche Fahrplanunterlagen mussten am Zugendbahnhof abgegeben werden. Bei anderen Militärzügen kam es auch vor, dass zwischen Storkow und Königs Wusterhausen der Zug auf Weisung des Transportleiters zum Zwecke eines Luftalarms auf freier Strecke halten musste. Dieser Alarm wurde dann mit einem vereinbarten Lokomotivpfeifsignal ausgelöst. Die Militärangehörigen führten dann eine Übung durch.


Helmut Brilke Lokomotivführer a.D.                                           
Frankfurt (Oder), den 10. 06. 1994

 

Die Durchführung solcher Militärtransporte erfolgte auf Anordnung der sowjetischen Militärkommandantur mit Sitz auf dem Rangierbahnhof an die Dispatcherleitung des Reichsbahnamtes. Für die Bildung, Auflösung und Behandlung der Züge war der Rbf, zu dem ab 1960 auch der Grenzbahnhof gehörte, zuständig. Damit war Frankfurt (Oder) der größte Militärumschlagsplatz in der DDR. Zusätzliche Aufgaben entstanden durch die vorbereitenden Maßnahmen für provisorische Oderübergänge bei Ausfall der Eisenbahnoderbrücke.