Betriebsschule (BS) Reichsbahnamt Frankfurt (Oder)

In den ersten Nachkriegsjahren galten noch die überkommenen Ausbildungsformen für den Eisenbahnernachwuchs. Im Betriebs- und Verkehrsdienst (BV) und im Baubereich liefen noch die Ausbildungen: Junghelfer, Assistent und Inspektoren-Anwärter. Im Kriege begonnene Schlosserausbildungen wurden weitergeführt. Mit 6 Lehrlingen nahm Otto Brendler Ende 1946 die Ausbildung im Bw Pbf wieder auf. Im März 1947 kamen 9 dazu, im September waren es bereits 43 Lehrlinge. Im Zeitraum 1947 bis 1950 gab es im BV-Bereich etwa 40 Junghelfer. Die Ausbildung erfolgte in den Frankfurter Dienststellen Personenbahnhof, Rangierbahnhof, Güterabfertigung, Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung. Dem „Wanderlehrer“ Werner Griebel oblag die Betreuung. Mit der Einführung des Facharbeiterberufes „Betriebs- und Verkehrseisenbahner“ wurden im September 1950 in Frankfurt 104 Lehrlinge eingestellt. Die berufspraktische Ausbildung übernahmen neben Frankfurt die Bahnhöfe Finkenheerd, Ziltendorf, Fürstenberg, Müllrose, Grunow, Briesen, Fürstenwalde und Kietz. Der berufstheoretische Unterricht für die vier Klassen fand einmal wöchentlich im Kulturhaus Briesener Straße statt. Die erste Betriebsschule des Reichsbahnamtes befand sich ab 1. Mai 1951 in einem Gebäude Ecke Schulstraße/Am Graben, dem späteren Kulturhaus der Bauarbeiter.
Im Bw Pbf wirkte ab 14. März 1947 Heinz Morche als Wanderlehrer. Der spätere Lokfahrmeister führte den Dienstunterricht mit den Lokpersonalen im Bw und in den Lokstationen durch. Parallel dazu wurde der freiwillige Unterricht für Lokführeranwärter eingeführt.
1948 richteten Lehrmeister und Lehrlinge in einigen, vom Kbw nicht mehr benötigten, Gebäuden eine Lehrwerkstatt ein. Verstärkt wurden nun Lokschlosser ausgebildet. In den achtziger Jahren erfolgte eine spezialisierte Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser mit der Spezialisierung Triebfahrzeugführer, Triebfahrzeuginstandhaltung, Wageninstandhaltung und Betriebsschlosser.
Am Standort des am 20. April 1945 durch Fliegerbomben zerstörten ersten Frankfurter Empfangsgebäudes wurde im April 1953 die neue Berufsschule in Betrieb genommen. 1957 entfiel die Verantwortung des Rates der Stadt für die theoretische Berufsausbildung. Es wurden zwei Betriebsberufsschulen (BBS) mit den fachspezifisch getrennten Bereichen für die Bereiche Betriebs- und Verkehrsdienst bzw. Fahrzeuge gebildet. Träger waren das Rba und das Bw. Mit Beginn des Lehrjahres 1959 wurden die Schulen wieder unter Leitung des Rba zusammengelegt. Jährlich wurden 400 bis 500 Lehrlinge ausgebildet. Mit Wirkung vom 1. Januar 1970 firmierte die Einrichtung als Betriebsschule (BS). Da es immer schwieriger wurde, Lehrlinge für den nicht gerade attraktiven Schichtdienst zu gewinnen, sollte ein im Oktober 1979 am Bahnhofsvorplatz 1 eröffnetes Berufsberatungskabinett (BBK) helfen. Neben Informationsveranstaltungen fanden unter anderem bis Mitte 1981 über 350 Einzelberatungen mit Interessenten an Eisenbahnberufen statt.
Ab Januar 1991 existiert die Betriebsschule der DR in Frankfurt (Oder) nicht mehr. Elf Lehrer und das Schulgebäude wurden durch die Kommune übernommen. Die ehemalige Lehrwerkstatt wurde abgewickelt. 1989/90 waren für die Betreuung von 111 Lehrlingen und 61 Schulklassen der allgemeinbildenden Schulen im polytechnischer Unterricht ein Leiter Polytechnik, ein Lehrobermeister und 33 Ausbilder zuständig. Anfang 1999 gab es noch einen Leiter der Ausbildungsstätte und einen Ausbilder für die Betreuung der letzten 17 Lehrlinge (DB Cargo) im vierten Lehrjahr, die im Januar 1999 ihre Lehre beendeten. Damit war die Ausbildung von Lehrlingen in technischen Berufen seitens der Eisenbahn in Frankfurt (Oder) beendet. Von den Anfängen nach 1945 (erste Abschlussprüfung Oktober 1947) bis zum 29. Januar 1999 wurden in der Lehrwerkstatt insgesamt 2741 Lehrlinge ausgebildet.
Die Gebäude und Anlagen der Lehrwerkstatt einschließlich der des Kbw sind seit Ende 1998 an das »bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH« verpachtet, das gesamte Inventar ist verkauft. Für den Frankfurter Bereich „Station & Service“ standen Anfang 1999 fünf Azubis zum „Kaufmann/frau für Verkaufservice“ in Ausbildung.

Direktor und Vertreter der Betriebsschule waren:

Horst Berndt                            ---
Richard Rautenberg          Vertreter Heinz Holle                      
Erich  Jochen                    Vertreter Heinz Holle/ Josef Firoch
Rudolf Leutzow                Vertreter
Siegfried Stephan  / Josef Fieroch ( ab 1.9.81 H.Spielmann)
Bernhard Schulz               Vertreter Siegfried Stephan
/ Helmtraut Spielmann

So fing alles mal an
Das Lehrercollegium
B.u.V-Lehrlinge in der BBS
Die Lehrwerkstatt der Schlosser Teil 1 und Teil 2
Rekonstruktion der Draisine durch die Lehrwerkstatt
Kultur in der Schule
Ferienlager der BBS

Leitungsstruktur der Berufsausbildung
Lehrerkollegium der Betriebsschule
Grundriss der Schule


Autor: Lothar Meyer