Die Reichsbahnsparkasse in Frankfurt (Oder)

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Genossenschaften. Bereits 1867 wurde ein preußisches Genossenschaftsgesetz erlassen. Im Mai 1889 folgte das „Reichsgesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“, das mit Veränderungen heute noch in Kraft ist. Auf dieser Grundlage bildeten sich in Deutschland in verschiedenen Bereichen Genossenschaften.

Als Geburtsstunde der ersten Sparda-Bank gilt der 6. Mai 1896, als vom „Verein der badischen Eisenbahnbeamten“ in Karlsruhe der „Spar- und Vorschuss-Verein der badischen Eisenbahnbeamten“ gegründet wurde.
Der 19. Januar 1906, der Gründungstag des Verbandes der Sparda-Banken e.V., ist eine weitere Etappe in der Geschichte.

Die Eisenbahner, die nicht zu den Großverdienern in Deutschland zählten, gründeten, wie auch die Post, genossenschaftliche Sparkassen, um sie als Hilfe zur Selbsthilfe zu nutzen.
In jedem Eisenbahnbezirk bildeten sich im Laufe der folgenden Jahre sogenannte Eisenbahn-Spar- und Darlehnskassen bzw. ab 1920 Reichsbahn-Spar- und Darlehnskassen. Die Basis war jeweils das Genossenschaftsgesetz, das für jede "Sparda", so wurden sie bald von den Eisenbahnern genannt, einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und eine Revisionskommission vorschrieb.

Die Konditionen waren für die Eisenbahner sehr günstig. Die Gehälter für den Vorstand zahlte überwiegend die Reichsbahn, natürlich brauchte auch kaum oder wenig Miete gezahlt zu werden. Dazu kamen noch weitere günstige Einrichtungen, die die Eisenbahner mit ihrer Sparda in Anspruch nehmen konnten, so zum Beispiel Scheckabhebungen an den Fahrkahrtenschaltern, Postversand über EDS (Eisenbahndienstsache) und anderes.
Die Gründung der Eisenbahn-Spar- und Darlehnskasse Frankfurt (Oder) erfolgte 1922. Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass die am 1. April 1920 in Berlin-Charlottenburg gebildete Reichsbahndirektion Osten nach Frankfurt (Oder) verlegt wird. Der Umzug in die ehemalige Kaserne des „Leib-Grenadier-Regiments“ in der Litzmannstraße 9/10 fand im September 1923 statt. Dort hatte inzwischen auch die Spar-und Darlehnskasse für den Bezirk der Rbd Osten, e.G.m.b.H. ihren Sitz. Vorsitzender war 1935 der Reichsbahn-Oberinspektor Adolf Otto. Zu dieser Zeit gab es 28 Reichsbahn-Sparkassen in Deutschland.
Im Frühjahr 1945 brannte infolge der Kriegsereignisse das Gebäude der Rbd Osten aus. Mit den danach veränderten Grenzen endete die Existenz der Rbd Osten und die Eisenbahn-Spar und Darlehnskasse hatte keine Basis mehr.
Auf der Grundlage eines Befehls der Sowjetischen Militäradministration in der damaligen sowjetischen Besatzungszone wurden die Reichsbahn-Spar- und Darlehnskassen eGmbH Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Greifswald, Halle, Magdeburg und Schwerin geschlossen und durch acht ReichsbahnSparkassen in den genannten Direktionsbezirken ersetzt. Eigene Geschäftsstellen gehörten dazu. Der Zusammenschluss zur Reichsbahnsparkasse Berlin eG erfolgte 1971.
Die Reichsbahnsparkasse war inzwischen für alle Mitarbeiter des gesamten Verkehrswesens und deren Angehörigen zuständig.

In Frankfurt (Oder) wurde etwa 1950 eine Betriebszweigstelle am Bahnhofsvorplatz südlich des Mitropa Cafés eingerichtet. Helmut Seidemann erinnert sich, dass er von Mai bis Oktober 1951 in Rosengarten Dienst verrichtet hat und während dieser Zeit Vertrauensmann bei der Reichsbahnsparkasse wurde.
Einige Jahre später musste die Reichsbahn-Sparkasse auf die nördliche Seite umziehen, weil der Ermittlungsdienst der Gepäckabfertigung diese Räume benötigte. Diese Zeit ist auch durch Fotos dokumentiert:(A, B, C).
Christa Mehlberg, Leiterin der Betriebszweigstelle Frankfurt (Oder), informierte 1963 in der Fahrtrichtung: „Vielen Eisenbahnern aus dem Reichsbahnamtsbezirk Frankfurt (Oder) ist das Sparen zu einer festen Gewohnheit geworden. Sie haben Vertrauen zu ihrer Reichsbahnsparkasse, die bereits seit über 10 Jahren ihre Kunden in allen Geldangelegenheiten berät. Wir bemühen uns, den Kreis der Kontoinhaber ständig zu vergrößern und durch schnelle, höfliche und sachkundige Bedienung unsere Kunden noch besser zu betreuen. Das Gehaltskonto erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Dabei können gleichzeitig solche Zahlungsverpflichtungen wie Miete, Licht- und Gasgebühren durch Erteilung eines Überweisungsauftrages reguliert werden. Wie alle Spareinlagen, so dienen auch die der Frankfurter Eisenbahner in erster Linie dem Wohnungsbau.“
Im gleichen Jahr an anderer Stelle heißt es: „Die Spareinlagen nehmen ständig zu. Nach dem Motto: Geld am falschen Fleck verborgen bringt bekanntlich nichts als Sorgen, handeln unsere Eisenbahner und bringen ihr Geld zur Reichsbahn-Sparkasse, weil sie wissen, hier ist es sicher, trägt Zinsen und arbeitet außerdem für uns alle.“
Die Aufgaben nahmen ständig zu. Deshalb erfolgte etwa 1967 der Umzug in die Spiekerstraße. Der Kundenbereich der Sparkasse erstreckte sich fast über den ganzen Amtsbezirk Frankfurt (Oder). Ausgeklammert waren nur die Berlin nahen Orte, wie zum Beispiel Strausberg. Etwa 5000 Kunden des aktiven Dienstes ohne Senioren und Familienangehörigen gab es 1980. Allein in Frankfurt (Oder) waren zu dieser Zeit über 2600 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner beschäftigt.

In Westdeutschland und auch später in der BRD blieben die überlieferten Firmenbezeichnungen bis 1976 bestehen. Jedoch war es jetzt aufgrund der Personalreduzierungen bei der Bundesbahn für die Spar- und Darlehnskassen eine Existenzfrage, wenn man den Kundenkreis nur auf die Eisenbahner beschränken ließe. Man öffnete sich zunächst für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und später für alle Privatkunden (keine Geschäftskunden!). Der Name Bank sollte sich zeigen und es wurde die Wortverbindung Sparda-Bank mit Ortsnamen beschlossen.
Im Mai 1990 beschloss die Vertreterversammlung der damaligen Reichsbahn-Sparkasse, sich dem Verband der Sparda-Banken in Frankfurt am Main anzuschließen, und den Namen Sparda-Bank Berlin GmbH, zu führen. Der Geschäftsbereich mit zunächst 8 Filialen deckte sich mit Berlin und den 5 neuen Ländern. Heute gibt es 5 Regionen, analog Bundesländer, wobei Berlin und Brandenburg als eine Region zählt. Hinzu kommt eine Zentrale mit Sitz in Berlin.
Die positive Entwicklung der Sparda-Bank in Frankfurt (Oder) führte zu einem weiteren Umzug. Nach einem kompletten Umbau zog sie in die neuen Räume am Zehmeplatz 11. Am 8. April 1994 fand die feierliche Einweihung statt.
Die Kunden sind ihrer Bank treu geblieben. Auch heute noch sind die Wurzeln gut erkennbar. Wer die Geschäftsräume aufsucht, trifft meistens aktive Eisenbahner, Eisenbahnsenioren oder deren Angehörige.


Mit aktiver Unterstützung der Zeitzeugen Heinz Erdmann und Christa Mehlberg zusammengestellt von Lothar Meyer