Anschlußbahnen

1904 entsteht in Wriezen die erste Anschlußbahn.
Zu dieser Zeit wird von dem Ingenieur Bruno Krautwurst eine Zementwarenfabrik gegründet. Sie lag am südlichen Ende der Frankfurter Straße. Die Besitzer lassen als erste Firma der Stadt im Kilometer 59,9 der Wriezener Bahn, eine Anschlußbahn errichten.

In den fünfziger Jahren verließen die Besitzer die DDR. Der Betrieb kam unter staatlicher Verwaltung und wurde in den sechziger Jahren geschlossen.

Zementfabrik Krautwurst & Feise.

Der Hafen in Wriezen wurde im Jahre 1902 an der alten Oder errichtet. Mit einem 300 Meter langen Kai bot er Anlegeplätze für Lastkähne nach Finowmaß. Transportiert wurden Baustoffe, Petroleum, Düngemittel und Getreide sowie Steinkohle und Kalk.
Am 04.05.1911 bekommt der Hafen einen Gleisanschluß und eine Krananlage . Es gab zwei Übergabegleise von 200 m Länge.
Als Folge beginnt eine Ansiedlung von Firmen in diesem Industriegebiet, z.B. Getreidespeicher und Holzhandel, ein Baugeschäft, BHG und die Molkerei.

In Wriezen befand sich seit 1941 ein großes Werksgelände der Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH. Am 04.12.1941 wird von der Firma der Antrag gestellt das Hafengleis um 300 m zu verlängern. Nach dem bei der Bauabnahme am 06.08.1942 geprüft worden ist, ob alle Auflagen erfüllt wurden, (Pflasterung der Mahlerstraße) ist am 11.09.1943 die Betriebsgenehmigung erteilt worden. Das Werk besitzt nun einen Gleisanschluß und Zugang zum Hafen.

Bei den Steinbildhauerwerkstätten handelte es sich um eine Einrichtung des Generalbauinspektors für Berlin Albert Speer. Aufgabe der Werkstätten war die Ausführung von Bildhauerarbeiten für die Neugestaltung Berlins sowie der Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Der wasserseitige Hafenbetrieb wurde 1969 eingestellt, das Hafenbecken teilweise zugeschüttet.

Die Anschlußbahn wurde bis 1966 mit einer zweiachsigen batteriebetriebenen E-Lok bedient. Dann führte der Holzimport Potsdam den Betrieb mit einer V 10 B und einer Kö auf dem gesamten Anschluß durch.

Bis in den achziger Jahren wurde der Anschluß täglich fünf mal von der DR bedient.

Im Versand wurden vom Holzimport täglich 14 DA (Doppelachsen) und monatlich 5 DA Sägespäne aufgegeben. Bei der Getreidewirtschaft vielen monatlich cirka 50 DA Getreide und Raps an. Bis 1983 gab es Viehverladung von etwa 40 Wagen monatlich.

Im Eingang empfing das Entenkombinat monatlich cirka 30 Wagen Mischfutter. Bis 1968 entlud die BHG Kunstdünger, Kohlen und Baustoffe am Kanal.

1991 wurde der Anschlußbahnbetrieb eingestellt.

Hafengeschäftsbericht 1911-1928

 

Ein Rückblick

 

Ein weiterer Gleisanschluß:
17.10.1927 verunglückt der Postschaffner a. d. Max Gleich, wohnhaft in der Bahnhofstraße 11 in Wriezen, am Gleisanschluss der Firmen „Getreidegeschäft Sperling aus der Poststraße 2 und dem Baugeschäft von   Fritz Christof in der Bahnhofstraße 11“. Beide Firmen werden von der Deutschen Reichsbahn über einen Gleisanschluss, der die Bahnhofstraße
kreuzt bedient. Über eine Spillanlage werden die Wagen von der Drehscheibe des Bahnhofs in die Firmen gezogen. Bei der Untersuchung des Unfalls durch die örtliche Polizei wurde das Fehlen der Betriebsgenehmigung festgestellt. Diese wurde umgehend neu beantragt und am 30.05.1928 erteilt.

 

Anschluß Betonwerk:

1968 wurde der Anschluß Betonwerk eingerichtet. Die Anschlußbahn zweigte noch im Bahnhof Wriezen vom Werneuchener Streckengleis ab. Es befanden sich 8 Gleise im Anschluß. Als Nutzer waren angesiedelt das Betonwerk und das ACZ (Agrochemisches Zentrum).

Plan Betonwerk

Am 01.01.1969 wurde aus der BHG Wriezen, Bad Freienwalde, Neuenhagen, Altreetz, Neutrebin, Leuenberg und Neulewin das Agrochemische Zentrum Wriezen gebildet. Der Wagenladungsverkehr konnte somit auf den Wagenladungsknoten Wriezen konzentriert werden. Es wurden die Gütertarifbahnhöfe Altmädewitz, Altreetz, Neurüdnitz, Schulzendorf, Beauregard und Neulewin geschlossen. Die Anschließer in Leuenberg und Kerstenbruch wurden weiterhin bedient. Das Betonwerk verlud täglich 8 DA mit Betonelemente und hatte im Eingang 2 DA mit Zement.
Das ACZ erhielt Kunstdünger, Kalk und Baustoffe für den gesamten Bereich. Für das Verkehrs- und Tiefbaukombinat Frankfurt und Bezirksdirektion Straßenwesen kamen mehrere Ganzzüge mit Splitt und Schotter an.

Zeitweise entlud der VEB Kohlehandel Briketts.

Bilder ACZ

Der Anschlußbahnbetrieb endete 1991.

Auf dem Bahnhof war ein Teil der Ladestraße an den Kohlenhändler Weber vermietet, der dort Briketts und Rohbraunkohle entlud. Er war der letzte Entlader bis zur Schließung des Tarifbahnhofs 1994.

Das Bahnbetriebswerk entlud in seinem Bereich die benötigten Steinkohlen und Briketts. Nach dem Einsatz von Diesellokomotiven wurde eine Tankstelle eingerichtet welche gleisseitig beliefert wurde.

 

 

 

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