Starkstrommeisterei (Stm)

»Damals war ich Oberwerkmeister für elektrische Anlagen. Nur, elektrische Anlagen gab es nicht mehr. Selten, dass eine Kabelstrecke über mehrere Meter intakt war. Sie war zerfetzt oder überhaupt nicht mehr auffindbar. Doch Strom brauchten wir. Also wurde gesucht, geflickt. Wir wurden die reinsten Erfinder. An Stelle von Kabelmuffen verwendeten wir große Konservenbüchsen. Glühlampen wurden von ehemaligen Reklamebeleuchtungen, soweit noch verwendbar, abmontiert«, so der ehemalige Oberwerkmeister für elektrische Anlagen Hermann Futh.
Unter seiner Leitung wurde nach 1945 mit 15 Arbeitskräften begonnen die Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen.

Die Starkstromwerkstatt gehörte in Frankfurt zur Gruppe »Technische Anlagen« des Bahnbetriebswerkes Personenbahnhof. Sie unterhielt bis 1952 je eine Werkstatt im Bw Pbf und im Bw Vbf. Ab 1. Mai 1950 wurde sie der Starkstrommeisterei Ost (später Starkstrommeisterei Berlin-Karlshorst) als Außenstelle zugeordnet. Am 1. November 1952 wurde daraus die Dienststelle »Starkstrommeisterei Frankfurt (Oder)« mit den beiden Meistereien im Bw Pbf und Bw Rbf. Der Sitz befand sich ab 1960 im Gebäude der Hochbaumeisterei (Ostseite) an der Briesener Straße. Vorher war die Dienststellenleitung in den Räumen der Trafostation auf dem Gelände des Bw Pbf untergebracht. Ein kleiner Werkstattanbau im Jahre 1953 verbesserte die Situation. Selbst die Jubiläen wurden dort durchgeführt. Nach dem Umzug der Leitung in die neuen Räume konnte aufgelockert werden. Ein besonderer Schaltraum wurde geschaffen. Mehr Platz zur Vorbereitung von Bauvorhaben stand zur Verfügung. Mit den wachsenden Aufgaben entstanden 1952/53 eine dritte Werkstatt nahe der Osthalle (Bww) und eine vierte 1954 in Kietz. Mit der Einführung der elektrischen Weichenheizungen und den Gleisbremsen wurde 1973 die fünfte, die Meisterei »Weichenheizung« ins Leben gerufen. Als Werkstatt wurde das Gebäude der ehemaligen Wäscherei hinter dem Kulturhaus Völkerfreundschaft eingerichtet. Die ständig wachsenden Aufgaben und der Arbeitskräftemangel machten es erforderlich in eigener Zuständigkeit Kabelverlegearbeiten auszuführen. In enger Zusammenarbeit zwischen den Dienststellen konnte manches Problem gelöst werden.

Die Starkstrommeisterei war für das gesamte Territorium des Reichsbahnamtes Frankfurt (Oder) mit 59 Bahnhöfen und 25 Haltestellen zuständig. 1980 gehörten zum Unterhaltungsbezirk: 13 Trafostationen, 151 Wegübergangssicherungsanlagen, 39 Gleisbremsen, 660 elektrische Weichenheizungsanlagen, 5947 Außenleuchten und 14 444 Innenraumleuchten. Im Rahmen des Strukturwandels wurde sie ab 1. Januar 1994 mit dem Bahnstromwerk vereinigt. 1980 gehörten 73 Arbeitskräfte zur Starkstrommeisterei Frankfurt (Oder)

Herrmann Futh, Kurt Höppner, Erich Hemmerling, Arndt Jesche,
Klaus Becker 01.01.1983-1994

 

Lothar Meyer